Glasmann!

Besorgte Eltern schreien auf, Marktforscher jubeln und Betreiber von sozialen Netzwerken im Internet verdienen sich eine Nase aus Platin. Daten, Daten, Daten, wer macht was? Das alte Thema. Alles was du im Internet preisgibst, wird für immer gespeichert, jeder deiner Klicks wird verfolgt und JEDER kann ALLES über dich sehen. Hui!

Mittlerweile ist es gar nicht mehr notwendig Menschen wirklich zu treffen und sich real kennen zu lernen. Alles was ich wissen muss, finde ich bei Facebook. Interessen, Beziehungsstatus, Aussehen, Freunde, Aktivitäten, Ängste, Wünsche, Sorgen, Geschwister usw. Immer mehr Menschen meinen mich zu kennen und auch ich bilde mir ein, mir ein reales Bild von einem Menschen via Facebook machen zu können. Das ist natürlich nicht ganz so einfach wie es scheint. Die Bilder, die ich von mir zeige sind genau ausgesucht, meine Aktivitäten und Interessen sollen mich möglicht lässig erscheinen lassen. Womöglich bin ich ein Depp mit schicken Profilbildern. Oder womöglich bin ch ein cooler Hund, dessen Profil nur etwas komisch daher kommt. Noch krasser war es meiner Meinung nach bei der verwaisten Seite MySpace: Hier hatte jeder Nutzer noch viel mehr Möglichkeiten, sich mittels seines Profils zu inszenieren.

Um der Gefahr, zu viel von mir preiszu geben, zu entgehen kann ich einerseits versuchen soziale Netzwerke im Internet zu meiden und keinerlei Informationen über mich zu veröffentlichen, was nicht die Lösung sein kann, oder:

Ich verbreite im Internet möglichst viele und widersprüchliche Informationen über mich. Beispielsweise hatte ich im vergangenen Jahr schon vier mal Geburtstag, hatte mehre Freundinnen, Freunde oder Ehepartner oder ich beklagte mein Leben, wenn es mir eigentlich sau gut ging. Welche Information jeweils tatsächlich wahr war, wusste niemand so genau. Am Interessantesten bei solchen Verschleierungsaktionen sind immer die Reaktionen:

  • Leuten, die mich nicht kennen und das auch wissen, sind diese Informationen egal. Was interessiert es die schon was dieser Jo treibt, wie es ihm geht oder was der macht. Diese Leute sind allerdings eher selten, weil fast jeder jede Information bei Facebook interessant findet. (wie gesagt: man bildet sich ein Menschen, tatsächlich zu kennen.)
  • Leute, die meinen mich zu kennen, nehmen jedes Wort ernst und fangen an die aufgeschnappten Informationen weiter zu verbreiten. Tatsächlich haben sich manche Leute, die ich wohlgemerkt nicht besonders gut kennne, genau so wenig wie sie meine Freundin, angeregt über unsere „Trennung“ unterhalten. Manche wussten plötzlich ganz genau woran es gelegen haben könnte und dass man es ja schon lange gewusst habe. Blabla, dass ich nicht lache.
  • Leute, die mich gut kennen, wissen genau: „Wieder einer dieser Scherze“. Ist doch logisch: Wieso sollte ich es öffentlich kundtun wenn es mir richtig schlecht geht? Wenn es mir schlecht geht, ich wütend oder traurig bin, will ich meine Ruhe haben und nichts hören müssen, von niemandem. Erst recht brauche ich kein halbherziges Mitleid oder geheucheltes Interesse. Deshalb: Wer darüber redet, wie schlecht es ihm geht, der ist meistens bei weitem nicht so dreckig dran wie jemand, dem es wirklich mies geht.

Daher mein Appel an alle: Nehmt euch selbst und eure Freunde nicht zu ernst. Ihr dürft im virtuellen Leben alles machen was ihr wollt, aber bitte macht es bewusst. Fangt an zu verwirren und zu widersprechen. Eure echten Freunde wissen sowieso was bei euch ab geht. Meiner Meinung nach liegt das Geheimnis nicht bei den Informationen die ich preisgebe sondern bei denen, die ich nicht preisgebe. Ich werde viel interessanter, wenn keiner wirklich weiß, wer sich hinter meiner lückenhaften Identität im Internet verbirgt. Fantasie ist hier das Stichwort !

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