Scheinair – Billigflieger-Überflieger

Billigflieger-Überflieger

Es gibt Berufe die werden überschätz. Zum Bespiel der Beruf des Fernsehmoderatoren. Ein Moderator moderiert. Das ist sicher eine nicht ganz einfache Aufgabe, doch wenn man sich mal überlegt was für eine Aufgabe die des Moderators ist dann wird klar: ein Moderator ist beim genaueren hinsehen ziemlich profillos. Er hat keine wichtige eigene Meinung. Es zeichnet einen professionellen Moderatoren sogar aus, seine eigene Meinung niemals zu zeigen oder zu äußern sondern nur zwischen dritten zu vermitteln, fremde Produkte oder sonstige kulturell wertvolle Hervorbringungen zu präsentieren. Und das alles ohne seine eigene Persönlichkeit in den Vordergrund zu bringen. Dennoch wird ein einem guten Moderator Prestige und manchmal sogar Genialität zugeschrieben. Es liegt wohl an der Kamera

Eine der am meisten, zumindest was die Prestigeträchtigkeit angeht, überschätzten Berufsgruppen ist die Gruppe der Flugbegleiter. In unseren Köpfen (ich schreibe hier unser weil ich davon ausgehe das es in eurem Kopf ähnlich aussieht wie in meinem) herrscht das Bild der bezaubernden guten Fee die den noblem Kaufleuten, Senatoren, Diplomaten, Rockstars oder Ölscheichs jeden Wunsch von den Lippen abließt und dafür ständig in edelster Gesellschaft sein darf. Man erkennt den sozialen Status einer Person oft an seinem Umgang und daher ist das Bild der Flugbegleiter zwangsläufig ungeheuerlich prestigeträchtig. Es scheint als färbe die Aura der Edlen und Reichen Passagiere an eine Flugbegleiterin ab bis das Leben letzterer der Inbegriff des Lebens ganz oben oder zumindest den Lebensstandard der oberen Zehntausend repräsentiert.

Doch weit gefehlt: Das Berufsfeld der Flugbegleiter hat sich gewandelt. Anstelle von wichtigen Geschäftsleuten mit edlem Zweireiher und 5000€ Aktenmappe die den „billigen“ Flugzeugsnack aus Ermangelung von Appetit ablehnen und vielmehr „nur“ einen teuren Drink zu sich nehmen wollen ist der durchschnittliche Kunde einer heutigen Flugreise der Pauschalbucher mit Hüfttasche von eastpack der an Snacks, Zeitschriften und feuchten Tüchern mitnimmt was er bekommt. Mundgeruch statt Trinkgeld, das sind die Aussichten einer Stewardess (wenn das überhaupt noch die korrekte Berufsbezeichnung ist).

Der heutige Flugreisende sieht nicht ein warum er sich gegen einen Billigflug entscheiden sollte. Strecke bleibt Strecke denkt er sich und soviel kann man beim Fliegen auch wieder nicht falsch machen. Doch weit gefehlt es gibt sehr wohl einen Unterschied zwischen Billig- und Normalflieger. Beim Billigflieger gibt es keine festen Sitzplätze. Das bedeutet die deutsche Ellbogenmentalität ist gefragt. Schon beim Warten vor dem gate gilt es sich die besten Plätze ganz vorne zu sichern. Wer zuerst kommt malt zuerst und Urlaub ist schließlich Stress, wer das nicht weiß kann gleich zuhause bleiben. Es gilt das all-you-can-eat-System: Die besten Plätze versprechen die besten Happen. Von Beginn der Reise an heißt es „Plätze sichern“, das große Spiel der Fluglinien ihre Passagiere bei Laune zu halten. In der Schlange vor dem Gate, auf dem Weg zu Flugzeug ( hier darf ruhig auch an den anderen Pauschalreisenden vorbeigerannt werden, das ist quasi das Zeichen für besonderen Ehrgeiz ), im Flugzeug selbst, beim Aussteigen und bei der Gepäckausgabe. Die besten Plätze, das ist scheinbar das worum es beim Fliegen in den Urlaub wirklich geht.

Den heutigen Flugreisenden scheint es auch nicht zu stören, dass scheinbar jede frei Fläche oder auch jede zeitliche Möglichkeit genutzt wird für besondere Produkte zu werben. Verkauft werden Zigaretten, die, weil sie gar nicht rauchen, in Flieger geraucht werden dürfen (eine genüssliche Vorstellung die ich mir lieber nicht ausmalen möchte) oder Rubellose. Die Chance auf ein Auto oder einen weiteren Billigflug würden unter alltäglichen Umständen den meisten Urlaubern am, in den Plastiksitz schwitzenden Hintern, vorbei rauschen, doch man ist schließlich nur einmal im Jahr in Urlaubsstimmung und daher darf schon mal teuer gerubbelt werden. Die Enttäuschung ist jedes mal genau so groß wie die über den Umstand, dass auf einem 40 Minuten Flug keine billigen Snacks gereicht werden.

Ich habe dem verführerisch billigen Angebot mittlerweile schon dreimal nicht widerstehen können und habe es nun auf eben so oft mitterlebt wenn sich Menschen, die übrigens meistens aussehen wie meine Nachbarn (Ich rede von den Nachbarn wie sie jeder hat und nicht zwingend von meinen), aufspielen aus würden sie quasi wöchentlich fliegen dies aber so unglaubwürdig verkaufen das schnell klar wird das Billigflieger Billigflieger bleibt. Einmal wichtig zu sein einmal mit der Nobelsten aller Reisemöglichkeiten reisen und den Urtraum des Menschen näher zu kommen: dem Fliegen. Dreimal habe ich miterlebt wie sich schwitzende Kleinfamilien um den besten Platz, welcher auch immer das sein mag, streiten und dreimal habe ich beim Flug nach Hause miterlebt das viele Deutsche immer noch nicht verstanden haben dass Sonnenschutz nur im ersten Moment uncool wirkt.

Dreimal ist glaube ich genug um einzusehen das Flugbegleiterin kein Beruf ist bei dem man es mit mit noblen Personen zu tun hat.

*die männliche oder weibliche Form wurde in diesem Text der Einfachheit halber jeweils stellvertretend für beide Geschlechter verwendet. Dies trifft auch auf sämtliche andere Texte aus der Vergangenheit und für zukünftige Texte zu.

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