Angesteckt

 

Ich bin angesteckt. Auf zweierlei Art. Erstens habe ich mich angesteckt an einer Krankheit. Eine Grippe hat mich heimgesucht, so dass ich dieser Tage nicht das Weite sondern mein Heim aufsuch. „Geil, Jobinksi wie du mit den Worten umgehst.“

Jedenfalls sind manche Krankheiten ansteckend und auch ich kann mich nicht vor allem schützen, auch dann wenn ich auf Zungenküsse mit fremden Obdachlosen oder auf Nacktjoggen an der Isar verzichte. So zumindest meine Vorsätze.

Ja ich habe auch Vorsätze. Auch wenn ich mich an dieser Stelle dagegen gewehrt habe so ein rießigen Bohei um ein vergangenes Jahr oder die damit einhergehenden guten Vorsätze zu machen. Doch kann ich mich dem Zauber des Neubeginns nicht ganz entziehen. Ich bin angesteckt worden. Angesteckt davon, sich zurück zu erinnern, ein Resumé zu ziehen, sein vegangenes Jahr auf einige wichtige Geschehnisse zu reduzieren.

Wir Menschen mögen das. Bilanz ziehen. Das Einordnen und Bewerten, auch von Komplexem oder Vielschichtigen. Viele haben geschimpft auf das Jahr 2016. Krieg in Nahost, Terror in Europa, Trump und RTL. Das Jahr bot schon vieles was einem Sorgenfalten werfen lässt. Außerdem sind viele berühmte Menschen gestorben, stimmt. Aber um ganz ehrlich zu sein: Letzteres ist mir bisschen egal, weil ich kannte diese berühmten Menschen ja gar nicht. In meinem 2016 habe ich feststellen müssen, dass meine Oma sehr sehr alt geworden ist. Das zu erkennen hat mich viel mehr berührt.

Ich möchte hier allerdings nicht noch einen weiteren Jahresrückblick geben. Erst recht keinen persönlichen. Das würde niemanden interessieren. Ich will lieber in die Zukunft blicken. Denn das ist es was mir am Jahreswechsel so gut gefällt. Nicht diese ewigen sich ähnelnden Jahresrückblicke, sondern vielmehr der Blick auf das was kommen soll, auf das was ich dafür tun kann und zugleich auf das, was ich aus der Vergangenheit mitnehmen will. Ein Bick in die Zukunft ist immer auch ein Blick zurück.

Im letzten Jahr habe ich eine Radreise gemacht. Mit dem Fahrrad und vielen Taschen bin ich nach Venedig getappt.Es war sowohl eines der anstrengensten, als auch eines der befreiendsten Erlebnisse der letzten Monate. Den Reisebericht erspare ich euch ebenfalls. Was festzuhalten ist, ist allerdings, dass schon auf der Zugfahrt von Venedig zurück nach München fest stand: Sowas mache ich wieder. Am liebsten jedes Jahr.

Und so läuft das doch. Man blickt in die Vergangenheit und überlegt: was möchte ich nochmal erleben? Ich möchte wieder weit weg fahren. Also wirklich fahren. Mit der Kraft aus meinen Beinen. Schwitzen, fluchen und jubeln. Darum präsentiere ich folgenden Plan:

Kommendes Pfingsten, das ist in etwa 5 Monaten, werde ich mit dem Zug nach Le Havre fahren. Das liegt am Ärmelkanal in der Normandie im Norden von Frankreich. Von dort aus geht es mit dem Rennrad zurück nach München. 1000 km innerhalb von 7 Tagen. So ungefähr.

Ich reise mit meinem Fahrrad und mit leichtem Gepäck. Nur das Nötigste werde ich dabei haben. Neben meiner Kleidung nehme ich nur einen Schlafsack und eine Isomatte mit. Das ganze Kochgeschirr und mein Zelt lasse ich Zuhause. Geschlafen wird am Wegrand, in der Bushaltestelle oder wenn ich mal duschen muss im Hostel.

Fest steht bisher nur die Route. Die Etappen teile ich mir ein wie es mir gefällt. Ob ich dabei nach 5 Tagen oder 8 Tagen in München ankomme ist mir egal. Ich fahre so lange bis ich müde werde oder die Beine nicht mehr können. Gegessen wird, was ich vor Ort finde. Gutes Essen findet sich in Frankreich sowieso immer.

Warum ich das hier erzähle? Weil ich mich rießig darauf freue. Es ist mein Vorsatz für die kommenden Monate. Manchmal träume ich sogar schon davon. Es ist ja auch traumhauft (für mich jedenfalls). Mehrere Tage einfach nur Radfahren. Kein Rennen, kein Wettkampf, einfach nur eine Reise. Ich, mein Rad und die Straße vor mir.

unbenannt

Bis dahin muss natürlich noch einiges passieren. Mehrere Tage hintereinander ca. 200 km Radfahren und das mit Gepäck, wenig Schlaf und bei jedem Wetter, das schaffe ich nicht ohne weiteres aus dem Stand. Eine solche Reise braucht Vorbereitung. Sowohl was die Planung angeht als auch meinen körperlichen Zustand. Auch nach meiner Reise möchte ich noch aufrecht gehen können und außerdem soll mein Vorhaben nicht nur zur Schufterei werden.

Also mache ich Sport, draußen wie drinnen, lasse die Zigaretten weg, achte mehr darauf was ich Esse. All das mache ich gerne. Nichts dabei ist zwanghaft oder ein wirklicher Verzicht. Ich habe einen Plan, einen Traum, ein Vorhaben. Ich bin angesteckt. Nicht nur an einer Grippe.

 

 

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