Es kann auch nicht immer alles geil sein was man macht.

Die Künstler und die Kreativen, ist schon gut, dass es die gibt. Sie versüßen uns unseren Alltag und sind prägend unser kulturelles Leben. Was wäre das Leben schon ohne Kunst und Kultur. Was würde ich ohne Musik, Bücher und gute Filme anfangen? (Zugegeben: ich hab schon lange kein künstlerisch wertvolles Buch gelesen) Schon einmal hab ich mich darüber ausgelassen, dass ich das Getue von Musikern mit ihrer subtilen Angeberei nicht leiden kann. Ich möchte meinen Unmut gegenüber diesem Phänomen erweitern und alle „Kreative“ mit in diese Kritik einschließen mit dem Vermerk: Ich mag dieses Getue und das Klischee nicht, aber womöglich verstehe ich mich mit dem Menschen hinter dieses Fassade dennoch sehr gut. Aber das hab ich auch schon mal erwähnt.

Was ich mich trotzdem gefragt habe: Warum glaubt man, dass ein kreatives Produkt einen einfach geiler macht? Warum ist es so schwer, mal etwas Respektables auf die Beine zu stellen und gut ist? Warum gleich völlig abheben und sich für besonders toll halten? Seien es Musik, Filme, Fotos oder sonst etwas Gestaltetes. Es ist schon nett, was ihr da macht, aber mehr auch nicht. Besonders aufgefallen ist mir dieses Phänomen beim Flimmern und Rauschen Festival, dem Filmfest für junge Filmemacher. Die schwebten teilweise ganz schön über dem Boden. Dem Boden der Tatsache, dass ihr Film schon nicht schlecht, aber eben immer noch ein Film von einem Anfänger ist. Bleibt bitte alle mal schön auf dem Teppich.

Mich selber schließe ich natürlich in diese Kritik ein. Wenn ich mich über etwas aufrege, dann rege ich mich meistens auch über mich selber auf. Denn so viel besser bin ich dann auch wieder nicht. Nur ein bisschen. Nicht alles, was ich mache ist sooo geil.

Nur manchmal denke ich mir: ich sprudle über vor kreativer Energie und Genialität. Meisten ist das so, wenn ich entweder etwas gesehen habe, das mich sehr begeistert hat, wie zum Beispiel einige gute Bilder, oder auch ein gut gemachter Kunst-Quatsch. Oder ich habe gerade selber einen Film entwickeln lassen, oder einen Blogartikel verfasst und bin mit dem Ergebnis recht zufrieden. Ich bin dann meist so beeindruckt von meinem schöpferischen Können, dass ich mir denke: Da geht noch mehr! Was ich anfasse wird zu Gold! Ich muss diese kreative Energie bündeln und die Chance nutzen, um etwas Großes zu schaffen. So wie auch bei folgender Geschichte:

Ich war Zuhause und hatte eben einen dieser kreativen Höhenflüge. Vielleicht auch einen narzistischen Anflug. Ich war in der Stimmung etwas wirklich Gutes zu gestalten. Deshalb nahm mir ich eine „Leinwand“. Eine dieser Leinwände, die man irgendwann mal besorgt hat, weil man dachte, auf Leinwand kommt alles gut an. Jeder ist ein Künstler und mit einer Leinwand scheint die Kunst erst offiziell zur Kunst zu werden. Mit einer Leinwand kann auch ich große Kunst erschaffen.

Ich nehme also diese Leinwand und will beginnen. Eine konkrete Idee gibt es noch nicht, daher denke ich an eine Collage. Eine Collage ist spontan und sieht meistens gut und roh aus – genau mein Stil. Ich krame die Schnipsel der Bilder, die ich aus Zeitungen oder Zeitschriften sammle hervor, als mir einfällt, dass ein Bild/eine Collage von der Band ganz cool wäre. Also Laptop an und eine stimmungsvolle Musik aufgelegt ( Musik fördert den kreativen Schaffensprozess) und Bilder von den Bandkollegen und dem Proberaum ausdrucken. Leider ist meine Farbpatrone vom Drucker fast leer und deshalb werden die Ausdrucke pink. Macht nichts, denke ich mir, kann ja auch gewollt sein. Eine Collage lebt so oder so von Spontanität. Ich ordne also Bilderschnipsel und einige Fotos, die zu schlecht zum Aufheben aber gut genug für eine Collage sind auf der Leinwand an und beginne zu kleben. Vorher hatte ich noch mit Hilfe eines gebrauchten Schablone und einer Spraydose eine cool aussehende Figur auf die Leinwand gebracht.

Irgendwie bin ich mit dem Ergebnis noch nicht zufrieden, es läuft nicht so wie ich es mir in meiner Genialität ausgemalt hatte. Vielleicht braucht es ja noch andere Materialien? Also nehme ich Stifte und beginne die aufgeklebten Sachen zu umrahmen. Eine schlechte Idee. Je mehr ich versuche das Kunstwerk zu retten, desto mehr gleicht es dem Bild eines Kindergartenkindes. Immer schlimmer sieht der ganze Mist aus. Die kreative Hochstimmung ist mittlerweile verflogen und mein künstlerisches Selbstbewusstsein auch. Dieses Bild ist für die Tonne. Irgendwie aber schade um die Zeit und schade um die Materialien, daher stelle ich die verhunzte Leinwand unter meinen Tisch. Da steht sie gut. Mistding. Ich beschließe in Zukunft das Herstellen von Collagen lieber sein zu lassen.

Als einige Wochen später mein Bandkollege zu Besuch kommt und das Bild aus Neugier hervor holt, schäme ich mich und erzähle, mit einer gewissen Selbstironie, die Entstehungsgeschichte des besagten Objektes. Wir sind uns einig: manchmal macht man eben auch Sachen, die nicht ganz so genial sind wie erst geglaubt.

Mittlerweile erfreuen wir uns immer mehr an diesem Bild und an der damit verbundenen Geschichte. Das Bild ist zum Symbol dafür geworden, dass man sich selber nicht immer ganz so ernst nehmen sollte, schon gar nicht in seiner kreativen Genialität. Fast schon ein Kultgemälde! Auf jeden Fall war das vorerst mein letzter Versuch eine Leinwand zu gestalten denn: es kann auch nicht immer alles geil sein was man macht.

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