Uniform

There was a sense of disappointment as we left the mall
All the young people looked the same
Wearing their masks of cool and disinterest
Commerce dressed up as rebellion

Bloc Party-  uniform

Wie es Bloc Party schon in ihrem großen Song uniform aufgegriffen haben: Sie sehen tatsächlich alle gleich aus. Auf einer kulturellen Veranstaltung durfte ich hiervon wieder Zeuge werden. Individualität von der Stange. Da tragen sie ihre abgefahrenen Kleider, Frisuren und Smartphones und Tätowierungen, aufgrund derer sie sich einzigartig und individuell fühlen spazieren. Doch was anscheinend niemand bemerkt: die guten jungen Leute sind in ihrer Einzigartigkeit dann doch recht ununterschiedlich. Ist das Absicht?

Da ich mich diesem Blog in erster Linie selber nicht zu ernst nehmen darf bitte ich euch – ich darf doch du sagen – ja – dies auch nicht zu tun.

Es folgt eine Kategorisierung der Dinge, die heute an keinem Menschen, der von sich behauptet vorne mit dabei zu sein fehlen dürfen.

  1. Der Haarschnitt. Selten so angeglichen wie die aktuelle Modefrisur. Sieht immer hip aus und leider bleibt das Individuum auf der Strecke. Oben lang – Seite kurz. Kann man nichts falsch machen. Böse – politisch unkorrekte – Zungen sagen auch schwul.
  2.  Die Retrobrille. Ob mit oder ohne Stärke spielt dabei keine Rolle. Brille mit dem Look aus den 70ern liegt voll im Trend.
  3.  Der Bart. Zeichen der Männlichkeit. Soll Weibchen anlocken.
  4. Nicht nur Kopfhörer. Sondern auch Symbol der Weltgewandtheit des Trägers. Ein Musikwiedergabegerät offeriert: Ich kenne mich aus mit dem neuen Shit. Weiteres dazu in kürze
  5. V-Ausschnitt, mit Brusthaarerkennung (siehe 3.)
  6.  Röhre und zwar so eng, dass man die Religion durchsieht
  7. Tasche auf Baumwolle, bloß kein Lidl oder so nen Schmarn.
  8.  Komische Schuhe, gerne auch aus Leder. Die sind zwar auf Tieren gemacht aber so genau nehmen wir es dann doch nicht mit dem veganen Lebensstil. Wahlweise die Socken Weglassen

Das schöne an Trends ist: In dem Moment in dem sie die Breite der Gesellschaft erreichen sind sie schon keine Trends mehr. Vielmehr ein Standart den halt jeder erfüllt. Ergebnis: Alle sehen gleich aus. Zumindest in der Subkultur. Während sich die Metallhorsten, die Hardcorekids, die Indierocker oder die Zappeltänzer untereinander kaum mehr unterscheiden kann man zwar in gegenüber der gesamten Gesellschaft noch Akzente setzten, allerdings juckt das meistens keinen.

Das Ganze zeigt sich dann nicht nur äußerlich: Auch Ideale und Wert- und Verhaltensvorstellungen sind Trends. Wie zum Beispiel der gesellschaftlich allgemein geltende Wunsch nach Nachhaltigkeit und Umweltverträglichkeit. Das fair trade und Bio oftmals vielmehr für einen lifestyle  und weniger für ein tatsächliches Verantwortungsbewusstsein stehen finde ich bemerkenswert. Der äußere Schein der Fairness bröckelt beim genaueren Hinsehen. Doppelmoral ist das Stichwort. Unsere Kleider kaufen wir immer noch bei H&M, weil es billiger ist und uns die Alternativen fehlen. Wo der Kram herkommt ist uns schnell egal. Unser Wunsch nach Nachhaltigkeit und bewussten Konsum wird auf dem Festival, seien noch so viele Hippies auf dem line up, doch schnell über den Haufen geworfen. Da zählt der Rausch und der Exzess. Zigaretten ohne Zusatzstoffe  sollen darüber hinwegtrösten. Das ich nicht lache. Pelzkrägen sind doch ganz schick und Mülltrennung oder das Abschalten des Standbybetriebes ist doch meistens zu anstrengend. Wir wissen ganz genau wie grünes Verhalten auf der Verbraucherebene, also bei uns, aussehen kann. Die Verantwortung auf die Wirtschaftsbosse und die Politik zu schieben ist eher billig.

Das individuelle Outfit ist wie unser Verhalten in erster Linie eines: Trend. Und Trends haben leider die Eigenschaft, dass sie eher Schein als Sein sind.

Ein Kommentar zu “Uniform

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