Unterhalte mich!

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(edit: Anmerkung im März 2018: Ich habe diesen Text 2011 geschrieben. Ein unglaublich naiver und pseudokritischer Quatsch, den ich heute niemals so raushauen würde, der allerdings auch heute, 7 Jahre später, nichts von seiner Aktualität und Wahrheit verlohren hat.)

Zu viel zu tun zu haben ist schlecht. Nicht viel zu tun zu haben ist auch schlecht. Wenn ich an einem Tag, bis zum nächsten Mittag keine Verpflichtung habe ist ein Nachmittag bei mir vorprogrammiert. Bett – Internet – Serien. Ab und zu in die Küche zum Kaffe kochen oder Brote belegen. Wenn ich noch ein wenig motiviert bin spiele ich noch 30 Minuten Bass oder Gitarre ansonsten hat der Tag keinen einzigen Mehrwert. Schön, ich kenn mich dadurch in der Landschaft der HBO Serien, oder im Bereich der Comicverfilmungen bestens aus, aber richtig weiter hilft das niemanden.

Ich glaube ich leide unter einem Problem welches viele Menschen nur zu gut kennen. Das Internet ist selbstverständlicher Taktgeber unseres alltäglichen Lebens geworden doch das war für uns nicht immer so. Wir kennen es auch noch anders. Wir sind zu begeistert von der unendlichen Fülle an Bildern, Texten und Filmen und schaffen den Absprung nur mit fremder Hilfe. Ich kann mich manchmal nur losreißen wenn ein konkreter Termin oder eine tatsächlicher Kontakt die Alternative zum Bildschirm bietet. Für mich ist der ständige Zugang zu allem Wissen allen Liedern und anderen kulturellen Angeboten einerseits ein großer Segen andererseits auch mein großes Unglück. Ich bin süchtig nach Unterhaltung geworden. Mich an einem Abend nur ins Bett zu legen ohne totmüde vor lauter Folgen von irgendwas zu sein ist für mich zur Seltenheit geworden. Beschallung und Beflimmerung geht einher mit kreativer und produktiver Verkümmerung. Mir ist so unglaublich schnell langweilig.

Auch tagsüber ertappe ich mich dabei wie ich enttäuscht darauf reagiere, wenn das Internet einmal nicht auf dem Handy verfügbar ist. Alles muss sofort nachgegoogelt werden können und zwar sofort. Das Internet hat uns zufrieden gemacht aber wehe es ist nicht mehr verfügbar, dann werden wir sehr schnell unzufrieden. Wenn ich ein bestimmtes Lied hören will oder das lustige Video, von einem Brautpaar das beim Tanzen ausrutscht, meinen Freunden zeigen will damit sie lachen, dann brauche ich das Internet. Eine Alternative bietet nur die Geduld, nur die ist bei mir so unglaublich schnell aufgebraucht.

Ich bin mittlerweile liebend gerne offline unterwegs und lasse mein Handy immer wieder bewusst zu Hause. Ich weiß, dass wenn ich das Mistding dabei habe es auch benutze. Keine Ahnung wie viele Stunden ich mit meinem elektronischen Freund verbracht habe anstelle meine mir zu Verfügung stehenden Stunden mit Sport, Literatur, Fotografie, Freundschaften oder Musik zu füllen. Alles was an einem solch beschriebenen Nachmittag herauskommt ist ein Körper der keinen Ausgleich und letztlich auch keinen Schlaf bekommt und ein Kopf der vor lauter Informationen und Unterhaltung zu keiner Unterhaltung mehr fähig ist.

Ich sage nichts gegen eine Pause von all dem nützlichen Dingen. Auch Serien und Filme sind für mich kulturelles Gut und können sehr wohl inspirieren und motivieren. Das können sie aber nur wenn man dem auch Raum gibt. Jede Inspiration der Welt ist wertlos, wenn sie laufend von der nächsten ersetzt wird ohne ihren Weg zur Ausführung zu finden. Ansonsten: kein Mehrwert. Reine heiße Luft. Ein kurzer interessanter Stimulus der augenblicklich wieder verfliegt.

Daher geht das hier an alle, die mich schätzen und nicht wollen, dass meine Inspiration versuppt oder die vermeiden wollen, dass kein Mensch etwas von meiner Zeit, meinen Gedanken, meinen Ideen und all diesen Dingen mitbekommt. Ich habe Lust auf Aktion, Eindrücke außerhalb des Bildschirms und auf Konversation. Kommt vorbei. Ladet mich ein. Ich hab Bock auf euch.

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