Shuffle

Stop skipping! Und diese englischen Wörter in unsere Sprache zu mischen.

Wenige Sekunden werden für ein Lied eingeräumt. Es gibt einfach zu viel Auswahl. Zu viele große Songs. Alle Lieder dieser Welt können in wenigen Sekunden an den Audioausgang geschickt werden. Beinahe sofort kann ein bestimmtes Musikvideo auf den Bildschirm oder das Smartphone gestreamt werden. Die Welt der Lieder ist uns zum greifen nahe.

Aber: Wer hört eigentlich noch ein Lied zu Ende. Lieder in ihren vollen 4,5 Minuten sind uns doch mittlerweile zu anstrengend. Nach einer Minute haben wir das wichtigste schon gehört und können zum nächsten Hit springen. Alben sind schon lange tot und wenn das so weiter geht, einzelne Lieder bald auch. Warum? Weil keiner mehr die Geduld aufbringen möchte sie bis zum Ende zu genießen.

Wie die Frührentner werden songs heute vorzeitig abgeschoben und verbrauchen lediglich nur noch irgendeinen Speicherplatz auf irgendeinem Speichermedium. Hauptsache man hat sie mal irgendwo gespeichert. Ich empfehle bald schon allen Künstlern ihre Songs nur noch bis zur Hälfte aufzunehmen und die letzte Hälfte mit weißen Rauschen zu füllen. Der Aufwand ganze Lieder einzuspielen lohnt sich bald nicht mehr.
Wie immer wieder geht es auch heute um die große Menge die uns überfordert. Alle Musik auf der Welt sofort hören zu können, und möglichst viel Musik zu besitzen, dafür sind wir letztlich nicht ausgestattet. Technisch sicher aber mental?

Die Lieblingsmusik von unseren Freunden, Geschwistern und Kollegen. Alles was drauf passt soll drauf. Unsere Festplatten sind bis oben gefüllt mit Musik, die wir nie gehört und niemals aufrufen werden. Teilweise werden ganze Festplatten komplett kopiert; ohne ein Selektieren oder eine Ahnung was man sich da gerade kopiert. Aussortieren kann man immer noch später, wenn überhaupt.  Man will ja schließlich die Möglichkeiten nutzen. Das wir die ganze Musik niemals hören werden und teilweise nicht einmal kennen ist dabei Nebensache. Hauptsache Ansammeln. Was der Mensch hat das hat er. Der Musik wird das nicht gerecht. Es macht sie wertlos. Dafür bedeutet mir persönlich Musik einfach zu viel.

Es mag Menschen geben die mögen das anders sehen. Menschen die in ihrem Leben 4 Alben gekauft haben und für die Konzertbesuche so interessant sind wie für mich eine Vorlesung in „Gesunheitswissenschaft und Gesundheitsförderung in der Sozialen Arbeit“. Diese Menschen können jetzt getrost aufhören diesen Text zu lesen. Wir würden uns gegenseitig sowieso niemals verstehen.

Das Projekt: Den Umstand, dass zuviel Musik auf unseren Festplatten ungespielt schlummert, habe ich zum Anlass genommen, ein besonderes Musikprojekt zu starten. Ein richtiges Mammutprojet. In den letzten Jahren, seit ich angefangen habe Musik zu mögen und auch einen begonnen habe einen gewissen Anspruch an Musik zu erheben habe ich meine Musik regelmäßig ausgemistet. Alle so genannten neuen heißen Sachen die mir angedreht und aufgeschwatzt wurden und sich als belanglos  gezeigt haben und all meine Sackgassen im Hinblick auf meine musikalische Geschmacksfindung wurden stetig und konsequent aus dem Gedächtnis meiner Festplatte getilgt.

Ich kann also sagen, dass alle meine Musik auf meinem Rechner mir in gewisser weise etwas bedeutet oder zumindest es mal getan hat. Alles in Allem eine Sammlung von ausgewählten 17 Tagen. Diese Musik liegt trotz ihrer objektiven Qualität größtenteils brach. So viel mir diese Musik auch bedeuten mag oder wie wichtig sie mir einmal gewesen sein mag sie wird nicht gehört. Wann auch? Dabei ist gute Musik doch dafür da um gehört zu werden. Das bin ich dieser Musik immerhin schuldig. Bilde ich mir zumindest ein.

Ich habe mir also vorgenommen meine Musiksammlung von vorne bis hinten, von A-Z  durchzuhören. Skippen ist dabei tabu. Ein Lied vorzeitig abzubrechen ist nicht erlaubt. Die Reihenfolge zu ändern ebenfalls. Ausnahmen gelten nur im Falle von Besuch und bei der Gefahr das „Tool“ oder „August burns red“ ein wenig auf die Stimmung drücken könnte. Ansonsten ziehe ich das durch. Das sind die Regeln.

Angefangen habe ich im Juni 2011 und vor wenigen Wochen bin ich fertig geworden. Ich habe meine Musik durchgehört. Jedes Lied auf meinem Rechner wurde mindestens einmal angehört, bis zum Schluss. Etwa 5800 Lieder in einem Dreiviertel Jahr.

Ein unglaublich anstrengendes aber auch sehr bereicherndes Unterfangen. Alte Perlen wurden wieder neu lieben gelernt und zugleich durfte ich feststellen, dass einiges meiner Musik nicht so gut ist wie sein Ruf. Es gibt tatsächlich nur wenige Lieder,  welche über die Jahre nicht an Qualität verloren und immer noch als Songs auf der Lieblingsliste meines Herzens gelten.

Es ist natürlich schon übel fast 24 Stunden „Porcupine Tree“ zu ertragen ohne sich aufhängen zu wollen aber gleichzeitig kann man sich sich einfach mal darüber freuen das „Tomte“, „Tocotronic“ und „Tool“ alle mit dem gleichen Buchstaben beginnen. Außerdem hat sich„Nine Inch Nails“ und „Nils Landgren Funk Unit“ als ein ausgezeichnetes Gespann entpuppt. Es ist die Vielfalt die das Leben interessant macht.

Was Jetzt? Gute Frage. Warum macht jemand so etwas überhaupt und was hat er danach davon? In erster Linie kann ich mir schon mal nicht mehr vorwerfen ich würde Musik besitzen die ich nicht mal hören werde. Allein diese Tatsache ist hiermit ausgeschlossen. Doch vor dem Problem vor dem ich jetzt stehe ist folgendes: Ich bin durch die Auswahl die ich habe, hören zu können was ich gerade möchte überfordert. Überfordert von dem Überangebot. Durch die Auswahl ist mir keine Wahl gut oder passend genug. Ich fange allmählich wieder an zu skippen und zu wechseln. Ich höre allmählich wieder auf Musik bewusst anzuhören. Außerdem haben ich, dadurch dass ich meine Musik jetzt schon gehört habe, das Gefühl dringend neue zu benötigen.

Doch das ist falsch. Mit meiner Sammlung könnte ich mich ohne weiteres noch mehrere Jahre beschäftigen. Ich könnte hören und hören ohne mich jemals satt gehört zu haben. Wenn ich nur mal aufhören würde zu denken ich könnte etwas von dem neuen Zeug verpassen und wieder anfangen würde zuzuhören.

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