Bitte Türen kontrollieren!

Es gibt Menschen, bei denen hat man das Gefühl, sie würden jeden Tag die unglaublichsten Geschichten erleben. Menschen, die von einer absurden Situation in die nächste rutschen und eine Story nach der anderen über ihr Leben erzählen könnten. Ein Leben in Saus und Braus. Lange habe ich diese Menschen beneidet. Ich wollte auch spannende Geschichten von mir erzählen aber ich habe scheinbar nichts erlebt.

Aber genau dort, dort wo diese Denkweise liegt, liegt der Fehler. Es gibt sie doch! Geschichten die man tagtäglich erlebt. Bei mir und auch bei dir. Die Welt ist voll von seltsamen Begebenheiten und Begegnungen, man muss nur die Augen aufmachen. Wenn ich erst mal angefangen habe genauer hin zu sehen, fällt mir bald auf wie ironisch, trocken, lustig oder widersprüchlich das Leben sein kann oder auch welche Zumutung das alles ist. Aber auch wie wunderbar unterhaltsam und wie unglaublich schön jeder Tag sein kann. Ich rede jetzt nicht davon das das Leben ein Leben in der Schokoladenfabrik ist, aber so ultralangweilig und abwechslungsarm wie es in so vielen Liedern besungen wird ist es auch nicht.

Vorausgesetzt man bewegt seinen Fuß regenmäßig vor seine Haustür. Im Internet Geschichten zu erleben ist äußerst schwierig und außerdem nicht originell. Ich würde sogar behaupten, dass ich diesen Artikel schreibe und du diesen auch noch ließt ist schon ein Fehler beiderseits, aber so ist das nun mal jetzt. Ich wollte auf jeden Fall jetzt mal ein paar Geschichten preisgeben die ich so erlebt habe an so ganz normalen Tagen.

Geschichte 1:

Ich sitze im Zug, das tu ich ja öfter. Im Abteil mit vier weiteren jungen Personen, die mich mit ihrem Bayernticket mitnehmen. Nett von ihnen. In das schöne Allgäu unterwegs freuen sich die guten auf ihre Heimat und ich mich auf meine Bandprobe. Die Sonne scheint in das Abteil, ich trage eine Sonnenbrille und alles scheint friedlich. What a day!

Aus den Lautsprechern, der Zugführer: „Bitte Türen kontrollieren!“ Keine Informationen, in welchem Zug wir sitzen, welches der nächste Bahnhof ist oder was man sonst so sagt als Durchsager. Nur ein bestimmtes: „Bitte Türen kontrollieren!“

Das ist jetzt noch keine wirklich gute Geschichte, rein objektiv betrachtet, das gebe ich gerne zu. Aber ich hab mich unglaublich gefreut bei der Vorstellung auszustehen. Die Türe des Abteils zu kontrollieren und in Richtung Zuganfang den Gang entlang zu brüllen: „Türe ist in Ordnung!“ Mit mir natürlich alle möglichen Fahrgäste die ebenfalls ihre Türen kontrollieren und ihre Ergebnisse dem Zugführer mitteilen. Was wäre das für ein Spaß aber auch für eine unglaublich anstrengende Scheiße.

Wie war die Geschichte? Gut? Eher weniger? Mir egal. Ich hab ja gemeint, dass diese Geschichten rein subjektiv unterhaltsam sind. Ihr könnt natürlich auch raus gehen und eure eigenen geileren Geschichten erleben, aber jetzt sitzt ihr hier und lest diesen Schund. Selber schuld. Kommen wir zur nächsten Geschichte.

Geschichte 2:

Kürzlich war ich im Bayrischen Landtag um eine Jugendtagung zum Thema Computerspiele zu moderieren. Weil sich die Geschichte neulich im Landtag zugespielt hat nenne ich sie:

Neulich im Landtag.
Jörg und Christel stehen am Brezenbuffet: Es gibt, Orangensaft, Wasser und halbe Laugenstangen mit Frischkäse und/oder Butter bestrichen.

Christel: „Du Jörg, wart mal, du hast da Frischkäse am Jackett.“
Jörg: „Oh danke. Aber ich glaub das ist Margarine.“

Eine Situation die, meiner Meinung nach, an situativem trockenem Humor nicht zu übertreffen ist. Ich musste jedenfalls innerlich laut lachen. So laut, dass ich mich schnell vom Buffet wegbewegt habe und den Rest der Geschichte leider nicht mitverfolgen konnte.

Was bleibt? Es sind wohl nicht die Erlebnisse, die eine gute Geschichte ausmachen sondern die Art und Weise wie sie aufgenommen und erzählt werden.

Wenn euch die Geschichten nicht unterhalten haben habe ich zum Trost noch eine Weisheit für euch:

Das Unwort des Jahrzehnts (präsentiert von joleitenmeier.com ) lautet: epic oder auch episch. Ein Wort was niemals angemessen benutzt wird und einfach hässlich zu gebrauchen ist. Der nächste der mir dieses Wort unter die Nase reibt werde ich digital oder auch analog ohrfeigen, je nach Möglichkeit und akuter Stimmungslage meinerseits.

Liebt euch!

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4 Kommentare zu „Bitte Türen kontrollieren!

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