Wie du so bist ist mir eigentlich scheißegal, das weiß ich schon längst

© jo leitenmeier

Wenn Leute zu selbstreflektiert sind muss ich kotzen. Innerlich meine ich. Geschadet hat es bisher noch niemanden, sich mal den ein oder anderen Gedanken über seine Persönlichkeit und sein Leben  zu machen, das gebe ich zu, aber irgendwo gibt es Grenzen. Es ist ja gerade Mode, vor allem als moderner durchgegenderter Mann, sich immer mal wieder in sein inneres Schneckenhaus zurückzuziehen und sich, angeheizt durch sein feministisch liberales Umfeld seiner Selbstzweifel als Mann bewusst zu werden.

Ich möchte jetzt nicht das Genderfass auf machen, das machen andere schon zur genüge. Wir sind doch in erster Linie hier um unser Leben zu führen, wie man es halt machst und nicht dafür, dass wir uns ununterbrochen über das Leben das wir theoretisch führen sollten den Kopf zu zerbrechen. Worauf ich hinaus will ist: zuviel Gedankenmachen ist uncool, überflüssig und irgendwann auch nicht mehr glaubwürdig.

Warum den schon wieder so aufgebracht, Herr Jobinski?“ Mögen sie sich fragen. Das werde ich ihnen sagen: Bei verschiedensten Sätzen, die ich so zu hören bekomme, kommt mir die Galle hoch. Ganz buchstäblich. Sätze die harmlos erscheinen, es aber dennoch in sich haben.

Zum Beispiel: „…Ja, mei – so bin ich halt“. So etwas sagen Menschen tatsächlich, wenn man sich bei ihnen bedankt. Kein „gern geschehen.“ oder „Bitte sehr.“ Es reicht nicht die vermeidlich gute Tat oder die nette Gabe einfach so zu tätigen. Es muss immer gleich der gute Wille, das gute Herz, der edle Charakter betont werden. Wenn auch subtil und nicht umbedingt bewusst aber immerhin wird er betont.

Wenn ich etwas gutes tue oder etwas sage, was einfach nur nett gemeint ist, dann kann ich das doch auch einfach so stehen lassen? Warum müssen bestimmte Menschen denn überhaupt immerzu darauf beharren gute Menschen zu sein? Jetzt kommt‘s: Ich glaube weil sie es nicht sind. Menschen die den Satz. „…ja, so bin ich.“ gebrauchen sind in Wirklichkeit schlechte, niederträchtige Individuen die viel Energie darauf verwenden immer in einem guten Licht zu stehen, in Wahrheit aber bösartige Egomanen sind, die sich einen Dreck darum scheren wie es ihren anderen Menschen geht. Hauptsache sie kommen gut weg.

Ihr findet ich übertreibe? Dann seid ihr nur blind vor lauter falscher Freundlichkeit und seht nicht richtig hin. Wenn euch das nächste Mal jemand auf eure Dankesgeste diesen besagten abscheulichen Satz entgegnet, dann gebt ihm seine Gabe zurück oder verzichtet auf seinen/ihren Dienst. Eine Ohrfeige hat solchen Menschen auch noch nicht geschadet, finde ich. Einfach weil ich so bin.

Nächster nicht weniger schlimmer Satz. „Ich bin ja jemand der...“ Ein absolut überflüssiger Satzteilkrüppel, der rein gar nichts aussagt und doch so viel über den Menschen der in gebraucht verrät.

Ich bin eher so ein Mensch der, das Leben auf sich zu kommen lässt“. Freundchen, das wir uns klar verstehen: du kannst auch normal mit mir sprechen. Sag einfach was du sagen willst. Spar die deine ekelhaften pseudointellektuellen Schnörkel.

Ich möchte an einem Beispiel veranschaulichen warum Satzanhänge, die auf den Charakter des entsprechenden Menschen hinweisen sollen absoluter Unfug sind. (Lasst euch bitte nicht durch das womöglich etwas anstößige Beispiel ablenken.) Ich könnte sagen: „Ich bin eher so ein Mensch, der drauf steht wenn Frauen knackige Hintern haben.“ Kann man sagen. Es würde aber auch völlig ausreichen zu sagen: „Ich steh, (bei den Frauen) auf knackige Hintern.“ Dem inhaltlichen Gehalt dieses Satzes fehlt es hier an nichts. Keine Informationen ist verloren gegangen. Ich kann mir als Adressat die Ansicht meines Gegenübers anhören ohne über umständliche Nebensätze in die Irre geleitet zu werden. Warum also dieser affige Vorspann?

Ich glaube für diesen Sprachgebrauch gibt es Gründe. Erstes, die Leute stehen drauf, wenn bei ihnen der Einruck entsteht, man würde viel über sich und die Welt im allgemeinen nachgedacht haben. (Bei meinem genannten Beispiel, stehen die weiblichen Adressaten vielleicht weniger darauf und es würden sich andere Fragen stellen, aber das ist ein anderes Thema). Dabei fällt den verkannten Denkern nur leider nicht auf, dass sie sich dadurch nur lächerlich machen. Durch die nackte Benutzung eines Satzfetztens ist man nicht automatisch selbstreflektiert oder gar tiefsinnig. Das ist einfach nur billig.

Des Weiteren will ich eigentlich auch gar nicht hören wie du so bist. Ich möchte es gerne selber herausfinden und mir mein Bild mit der Zeit und im Laufe des kommenden gemeinsamen  Austausches alleine bilden. Dafür brauche ich keine Hilfe, auch nicht die deine. Wenn ich Fragen über deine Persönlichkeit habe stelle ich sie dir einfach, ok?

Weiter möchten Leute, welche immerzu betonen, wie sie denn so sind, die Gesellschaft scheinbar spalten in zwei Gruppen. Es gibt anscheinend Leute, die eher sind wie sie (nämlich schlau und reflektiert) und Leute die nicht sind wie sie. Wozu diese billige Unterteilung? Ist doch klar das es Menschen gibt die mir eher ähnlich sind, und manche eher nicht.

Zurück zu meinem Beispiel: Es gibt dieser Ansicht nach also Menschen die drauf stehen wenn Frauen knackige Hintern haben und andere die drauf stehen wenn Frauen unknackige, also letscherte Hintern besitzen. Das wäre doch die logische Konsequenz, oder? Aber das ist erstens albern und andererseits, der Sache nach, eine Frage der Zeit und der Schwerkraft.
Zuletzt muss ich noch loswerden, dass ich finde, dass Menschen die zuviel über sich reden sowieso keine angenehmen Gesprächspartner und für eine gesellige Runde pures Gift sind. Wenn ihr euch mitteilen wollt: geht zu facebook, oder schreibt einen Blog.

Hiermit wäre ich auch schon wieder am Ende meiner Reflexion. Ich bin ja eher jemand dem es wichtig ist, dass man sich Gedanken macht, im Leben. Ich hoffe ihr habt während dieser Lektüre nicht zu viel visualisiert und nicht zu viel selbstreflektiert. Das ist nämlich gar nicht so sexy wie manche glauben dass es ist.

2 Kommentare zu „Wie du so bist ist mir eigentlich scheißegal, das weiß ich schon längst

  1. Ich bin ja schon so ein Mensch, der hin und wieder ein bisschen subtil-ironischen Kulturpessimissmus goutiert.

    Weiter so, angry young man!

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