Materialschlacht

(c) jo leitenmeier

Dies wird ein Artikel über Konsum. Ein Artikel über eines meiner Laster. Wenn ich etwas sehr gut kann dann ist es einkaufen. Direkt im Geschäft oder auch sehr gerne online. Es ist ja auch so einfach am Laptop zu sitzen und sich durch die Versandangebote dieser Welt zu klicken. Das Angebot ist immer groß und die Kauflust versiegt niemals.

Online kann man auch immer vergleichen. Das beste Angebot gewinnt und irgendwo ist der Preis immer noch ein bisschen niedriger. Da hat man auch gleich das Gefühl man hätte vernünftig gehandelt und dabei gleich etwas gesparrt. Dass man am meisten spart wenn man gar nicht kauft steht auf einem anderen Blatt.

Zudem kaufe ich auch gerne spontan und unüberlegt. Zumeist wenn es mir gerade nicht blendend geht. Man fühlt sich irgendwie einsam oder will sich ablenken. Das Loch stopfen, das in einem klafft und ist man dieses Vorgehen erst mal gewohnt, reicht auch das kleinste Löchlein um unvernünftig reinzukaufen was das Konto hergibt. Oder auch nicht hergibt.

Immer wieder starre ich dann entsetzt auf meinen Kontostand und mit wird klar. Ich gebe mehr Geld aus als ich verdiene. Ich habe ein Problem mit meinem Konsum. Und meine mittelschittlichen Probleme (Ich habe das Album von Band X nicht in der „limited edition“) werden zu echten Problemen (in meinem Kühlschrank befinden sich eine Butter und ein altes Glas Senf). Schließlich ist das Konto auch heute leer und ich sitze hier um über Geld nachzudenken. Wie konnte es wieder dazu kommen? Dabei weis ich es doch so viel besser. Eigentlich.

Ich weiß zu Beispiel, dass wer immer kauft will auch immer mehr haben. Einkaufen und Geld ausgeben kann so zur Gewohnheit werden, dass das befriedigende Gefühl sich mit etwas tollem ausgestattet zu haben immer mehr nachlässt. Konsequenz davon ist sich nicht mehr an dem was wir haben (und wir haben mehr als genug Zeug) zu erfreuen und dass was wir, privilegiert wie wir sind, schon besitzen zu schätzen. Nein wir wollen immer mehr. So ist es doch? Wer viel hat wir immer mehr. Der Kleider- und/oder Plattenschrank, die Sportausrüstung oder die Instrumentensammlung ist niemals komplett. Niemals.

Ich möchte jetzt hier auch nicht auf die Wirtschaft und ihre Mechanismen schimpfen wie sie  (die Bosse und Konzernleiter) uns immer wieder weis machen wollen, wir wurden dieses eine Ding – diese eine Sache – noch brauchen um komplett zu sein. Wir sind niemals komplett. Das muss man wissen um nein zu sagen. Oder zumindest ein zweites mal über einen Kauf nachzudenken. Das können wir nämlich. Wir sind schließlich mehr als potenzielle Kaufkraft. Wir sind mündig. Aber dieses Fass wollte ich ja gar nicht aufmachen.

Es geht mir jetzt auch nicht darum besonders vernünftig und weise rüber zu kommen. Schließlich ist Konsum, sich etwas zu gönnen oder sich zu belohnen gut und gesund. Alles eine frage des Maßes. Wie immer halt. Die Wahrheit liegt mal wieder in der Mitte. Aber wo bitte soll die sein? Wie viel ist zu viel und wie viel ist gerade genug?

Ich will nicht mehr so viel besitzen. Das habe ich durch meinen. Nebenjob als Umzugshelfer oder bei meinen Einsätzen bei Entrümpelungen festgestellt oder vielmehr beschlossen. Wir Menschen sammeln einen unglaublichen Haufen an Material an um diesen im Falle eines Umzuges von einem Ort zum anderen zu tragen (oder in meinem Fall tragen zu lassen) nur, dass dieser auch dort wieder rumliegt, einstaubt oder kaputt, alt oder nicht mehr zeitgemäß im Keller verschwindet. Wenn wir sterben und das müssen wir eines Tages auch mal, landet unser gesamtes angesammeltes Zeugs im Container. Brauchen tut das Zeug keiner mehr weil jeder hat ja schon alles.

Muss das sein dass wir unser Leben lang Geld ansammeln und ausgeben und am Ende landet alles in der Tonne? Ich möchte das nicht.

Vielleicht ist die Lösung: Qualität statt Quantität? Wenig haben aber dafür gutes? Gut heißt auch nicht umbedingt teuer sondern womöglich einfach mit persönlicher Bedeutung versehen.
Vielleicht ist es aber auch erfüllender nicht in Gegenstände sondern in Erlebnisse zu investieren? Besuche bei Freunden oder Reisen und Ausflüge? Dinge an die man sich noch lange erinnert.

Aber auch das kann zur Gewohnheit werden und mit der Zeit an Wert verlieren, wenn wir nicht bewusst erleben für was wir unser Geld ausgeben. Gutes Essen, Bier, Bergtouren oder Konzerte. All das hat keinen Wert, wenn wir es einfach vorbeifließen lassen. Aber gerade dazu sind wir doch viel zu schnell verleitet. Immerhin wartet um die nächste Ecke schon die nächste Möglichkeit Zeit und Geld zu lassen. Wenn wir immer nur auch Achse sind und von einem Event zum nächsten huschen aber alles nur halb mitbekommen weil wir im Kopf schon wieder bei unserem nächsten oder beim vorherigen Erlebnis sind, können wir uns das Geld auch sparen.

Ich glaube damit habe ich schon einen Teil der Lösung gefunden. Bewusstes Leben. Zur Zeit sowieso mein absolutes Allheilmittel und der ultimative Weg aus dem gewöhnlichen Leben.
Bewusst leben. Bewusst konsumieren. Das ist der Schlüssel. Der Schlüssel zum Glück?Vielleicht. Bin mir noch nicht sicher aber hört sich nicht ganz absurd an finde ich.

Ein Kommentar zu “Materialschlacht

  1. gerade 150€ für eine jeans ausgegeben…schlechtes gewissen nagt an mir. Da macht es fast keinen Spaß mehr so dekadente Kleidung zu tragen.
    peace

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