Wandern in Norwegen – Teil 3

Fortsetzung von Teil 1 und Teil 2

Was hier steht:

Was hier in mehreren Teilen zu lesen ist ist der Ausführliche Reisebericht unseres Trips in die norwegische Hochebene der „Hardangervidda“. Zusammen mit meinem Freund Lennart mit dem ich schon die Alpen im letzten September überradedelt hatte haben wir den Plan gefasst den größten weißen Fleck auf der Europakarte von Norden nach Süden zu durchwandern. Alle Ausrüstung im Rucksack und keine Übernachtungen in Hütten. Eine Woche lang alles was man braucht, auch unser Essen, auf dem Rücken oder am Körper zu tragen. Das war die Mission. Hier kommt der dritte Teil.

Sontag, 2. Juli 19:30 Uhr – Immer noch im Zelt.

Beide haben wir sehr lange geschlafen. Immerhin. Anscheinend braucht unser Körper gerade viel Erholung. Hier im Zelt hat es 11°C und draußen hagelt es. Darum sind wir auch wach geworden. Nicht gerade Campingurlaub am Mittelmeer aber dafür tausendmal mehr abenteuerlich. Ich rede jetzt nicht von den Abenteuern die man bei Jochen Schweizer buchen kann und bei denen immer gleich eine Reiserücktrittsversicherung im Spaßpacket enthalten ist. Ich rede von echten Abendteuern. Abenteuern die einen an seine Grenzen bringen und die eventuell gefährlich sein können.

Laut Karte werden wir unsere Höhe einigermaßen halten bis unsere Tour beendet ist. Das bedeutet, dass ein tiefer gelegenes und damit auch wärmeres Tal nicht mehr zu unserem Ausflug gehören wird. Ziel des Tages: „Litlos“ Eine Fjellhütte im Süden und dann noch ein wenig weiter. Hütten sind tabu und zudem noch richtig teuer wenn man dort übernachten will. Wir müssen heute möglichst viel laufen, da wir so lange geschlafen haben.

Grundsätzlich ist der Teil am Morgen der härteste. Ich möchte auf auf keinen Fall raus aus meinem Schlafsack und rein in die kalten Schuhe und die nasse Hose. Was mich raustreibt ist die Hoffnung auf ein paar Sonnenstahlen und mein Harndrang. Es muss sein.

18:00 Uhr – Im „warmen“ Tal

Der heutige Tag war nicht einmal halb so schlimm wie die Nacht und der darauf folgende Morgen. Je weiter wir laufen desto leichter fallen mir meine Schritte und desto wärmer werden meine Füße und meine Hände. Im Schlafsack war das noch undenkbar. Nach zwei Stunden über Schneefelder und einen Grad nach dem nächsten begegnen wir den ersten Menschen. Das schweizer Pärchen sieht noch etwas mehr mitgenommen aus als wir. Die haben genauso wenig mit Schnee gerechnet wie wir. Man tauscht sich aus und freut sich ein paar nette Stimmen zu hören. Anscheinend haben wir schon einen guten Teil der Tagesetappe geschafft. Auch wenn das Wetter nicht sehr viel besser geworden ist, so bereiten uns die vielen Südhänge und die Schneefelder bergab ein leichtes Spiel.

Wir waren so sehr in unserem Laufrythmus, dass wir ganz vergessen haben eine Pause einzulegen. In „Litlos“ begegnen wir zwei weiteren netten Menschen. Zwar kann man hier kein Benzin kaufen, welches wir dringend brauchen würden, aber eine Packung Kekse und eine Tüte Chips werden in den Rucksack gepackt. Außerdem gibt es endlich eine längere Pause.

Die lange Rast lässt das Aufstehen zur Qual werden. Die Füße und die Beine sind eingerostet und so fällt es schwer wieder sein Tempo zu finden. Der See den wir umrunden ist mit seinem krassen Anblick, den riesigen Eisschollen und dem steilen Panorama eine willkommene Augenweide. Wo zum Kuckuck sind wir hier nur gelandet? Nach einer weiteren Stunde und einem nicht notwendigen aber wenig dramatischen Umweg treffen wir kurz vor unserem Tagesziel eine weitere Wandergruppe. Die aus Potsdam kommende Gruppe hat unglaublich große Rucksäcke dabei. Die machen ganz offensichtlich die große Durchquerung der Hochebene vom südlichsten bis zum nördlichsten Punkt. Respekt unsererseits dazu.

Unser Zeltplatz ist ein wahr gewordener Traum. Auch das Wetter spielt endlich mit. Windgeschütz und ohne Regen schlagen wir unser Lager auf dem weichen Boden auf. Zum erstem Mal auf dieser Tour gibt es Essen im Freien und nicht im engen Vorzelt. Erstaunlich was auf einmal zum Luxus wird.

Montag 3. Juli 10:00 Uhr – Nach einer erholsamen Nacht.

Erst beim heutigen Aufwachen ist uns aufgefallen wie unruhig und laut es in der vorherigen Nacht gewesen war. Heute schliefen wir ohne Wind und ohne prasselnden Regen auf dem Zeltdach. Endlich sind wir ausgeruht.

Wir genießen es, draußen zu essen ohne nass zu werden und hoffen, dass unser restliches Benzin uns durch die kommenden zwei Tage bringen wird. Der Treibstoff, den wir in „Geilo“ gekauft haben ist anscheinend nicht optimal und wir verbrauchen sehr viel mehr Tank als wir geplant hatten. Aus diesem Grund gab es auch den gestrigen Kartoffelbrei kalt und den Kaffe lauwarm.

Die ersten Muskeln machen sich schon bemerkbar. Zwei Tagesetappen liegen noch vor uns und daher heißt es aushalten. Unsere Beine, Arme und Wanderstöcke sind wie Lennart es so schon ausdrückt „zur Einheit geworden“. Ohne die, ich kann es nicht oft genug sagen, würden wir uns sehr viel schwerer tun (Die Wanderstöcke meine ich). Auch den Rucksack spüre ich während dem Gehen kaum mehr. Höchstens am Morgen beim Aufsetzen. Liegt es an den 4 Tagen die hinter uns liegen oder an den Vorräten die wir bereits verdaut haben? Ich weiß es nicht genau, ist mit allerdings recht.

Lennart schimpft weiter über den Kocher. Wenn der richtig schlapp machen sollte, so einigen wir uns, wird das nur halb so schlimm sein: Wir haben nur noch ein Abendessen zum Aufwärmen und das können wir notfalls immer noch durch unsere vielen übrigen Riegel ersetzten.

18:00 Uhr – Die letzte Nacht im Freien

Während der Hobbit, meiner Lektüre, gerade die „Nebelberge“ hinter sich gelassen hat, durchschreiten wir diese heute. Wir sehen Teilweise keine hundert Meter weit. Dadurch erweist sich die Suche nach dem Weg als ein weiteres Abenteuer. Immer wieder entdecken wir die hilfreichen Fußspuren der Wandergruppe von gestern, wenn diese nicht vom Regen schon zu verwaschen sind.

Sechs Stunden laufen am Tag war der Plan. Haut ganz gut hin. Unsere Planung war in dieser Hinsicht recht präzise. Am Nachmittag treffen wir jedoch zwei Norweger die an einem Tag die doppelte Strecke laufen wie wir. 12 Stunden lang. Respekt. Anscheinend machen die das wohl öfter.

Unsere Gesichter haben, obwohl die Sonne nicht scheint einen ordentlichen Klecks Farbe abbekommen. Auch meine Augen brennen und sind rot unterlaufen vom Sonnenbrand. Der Schnee und die Höhensonne über den Wolken tuen also doch ihre Wirkung. Wir tragen trotz Nebel und ausbleibender Sonne unsere Sonnenbrillen.

Anscheinend reicht das Benzin doch recht gut und so fällt unser Abendessen heute richtig warm aus. Kartoffelbrei – wie so oft. Irgendwie bin ich das Zeug noch nicht überdrüssig.

Morgen starten wir in unsere letzte Etappe. Noch etwa sechs Stunden zu laufen dann werden wir es tatsächlich geschafft haben! Wer hätte gedacht, dass wir doch so gut durchkommen. Wenn ich zurückdenke wie wir aus dem Bus in „Dyranut“ gestiegen sind und wie sehr wir an dem ganzen Unterfangen gezweifelt haben so scheint es mir fast unglaublich.

Wir schmieden Pläne für die kommenden Tage in Norwegen. Die Worte „Lagerfeuer“ und „Badesee“ fallen in diesem Zusammenhang. Unser Flug geht am 12. Juli. Heute haben wir erst den 3.. Das bedeutet dass wir noch eine Woche zur freien Verfügung haben werden.

Es kann schwer fallen im Nebel die Brücke zu finden

Dienstag 4. Juli, irgendwann Abends – Wir haben es geschafft!

Letzte Nacht haben wir beide kaum schlafen können. Es war sicher 01:00 Uhr bis wir endlich friedlich geträumt haben. Wir war zum ersten mal tatsächlich zu warm im Schlafsack. Der Schlafsack der mit seinem Alter von über 10 Jahren und seinen zahlreichen Unternehmungen, bringt eindeutig nicht die Isolation auf, die er verspricht. Dieser Schlafsack wird in Zukunft nur noch auf Festivals und an warmen Stränden seine Verwendung finden. Neidisch bin in dagegen auf Lennart sein Hi-end-sack. Federleicht und warm wie im Mutterleib.

Den ganzen Tag haben wir ausschließlich im Nebel gestanden. Unsere Sicht beschränkte sich zum großen Teil auf 20 Meter. Da ist es mehr als nur eine Herausforderung den Weg nicht zu verlieren. Es scheint schlicht unmöglich. Zum Glück helfen uns die Spuren der Wanderer, die Karte und der Kompass weiter. Von der Landschaft haben wir tatsächlich nichts aber auch wirklich nichts gesehen. Laut Erzählungen ist der Süden der schönste Teil der Hadangerwidda. Kann ich jetzt nicht bestätigen. Allerdings auch nicht bestreiten.

Wir begegnen immer mehr Menschen die von „Haukeliseter“ (unserem Zielort) ihre Tagestouren unternehmen. Man kommt ins Gespräch und manche können kaum glauben, dass wir uns dieses Wetter eine Woche gegeben haben. Wir irgendwie auch nicht.

Gegen 16:00 Uhr steigen wir nach unten aus den Wolken uns der Nebel lichtet sich. Nach einem sehr sehr sehr schönen Gebirgssee entdecken wir endlich unterhalb von uns die rettende Hütte. Wir genießen die Aussicht und den Gedanken es gleich geschafft zu haben. Das Stahlen will nicht mehr auf unseren Gesichtern weichen. Spontan umarmen wir uns.

In „Haukeliseter“ buchen wir ein Zimmer mit Küche für eine Nacht. Es wird gekocht und alles gewaschen. Auch unser Körper darf unter die Dusche. Meine Kleidung habe ich jetzt seit einer Woche nicht gewechselt. Dementsprechend dunkel färbt sich darum auch das Wasser im Becken. Hoffentlich bekommen wir bis morgen alles trocken. Wir öffnen das Fenster und drehen die Elektroheizung auf Anschlag.

In der Stube gönnen wir uns ein Bier für umgerechnet 9€, was ein unglaublicher Preis ist vor allem wenn der Geschmack zu wünschen übrig lässt. Die Gedanken schweifen nach München. Wir nehmen die Karte von Südnorwegen auf den Tisch und und schmieden Pläne für die kommenden Tage.

Morgen wollen wir pünktlich zum Frühstücksbuffet. Darum stelle ich zum ersten Mal auf unserer Reise meinen Wecker.

Mittwoch 5. Juli 11:00 Uhr – Ein fantastischen Morgen

Sehr gut uns sehr tief geschlafen. 2 Stunden am Stück gefrühstückt direkt am Großen Panoramafenster zum traumhaften See in dem sich die umliegenden Berge spiegeln. Alles eingepackt und ausgecheckt. 1105 Kronen( 150€)! Man gönnt sich ja sonst nichts. Immerhin wird Geld Tag und Nacht nachgedruckt.

Frühstück mit traumhaften Panorama

 

Eine Erklärung dessen was ich aus diesem Erlebnis denn jetzt mitnehme und warum es gut war nach Norwegen zu fliegen folgt hier

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Ein Kommentar zu “Wandern in Norwegen – Teil 3

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