Ich habe geweint – Konzertbericht Rhoads in Utting

An die allzu große Glocke haben wir ihn nicht gehängt. Unseren Auftritt auf dem Impuls(ee) Festival in Utting am Ammersee. Das Festival mit dem unglaublich wortwitzigen Titel und der friedlichen Absicht. Ein Esofestival, eine Hippieveranstaltung, ein spirituelles Fest. Das kann ja heiter werden.

Während wir am Freitag Abend noch auf der Bühne Rockmusik spielen, wird morgen hier der Weltfrieden ausgerufen. Umrahmt von Schwitzhütte und Stimmungsvorträgen. Doch von Anfang an.

Ein Schläfchen am Nachmittag. Das anstrengende bei Konzerten ist ja weniger das Auf- und Abbauen sondern das endlose Herumgesitze und Zeittotgeschlage. Es geht also los: an den Rand von Utting am Ammersee. Das Festivalgelände ist eine Lichtung mitten im Grünen. Es stehen ein paar wenige Zelte im Schatten und ein wirklich schöner Pavillon dient als Bühne. Der „Cateringbereich“ besteht aus einer improvisierten Küche unter einem Plastikpavillon. Anscheinend findet gerade ein Workshop am See statt denn nur vereinzelte Naturfreunde liegen in der Sonne oder unterhalten sich im Schatten über das Leben. Handyempfang habe ich für ungefähr 4 Sekunden auf einem Quadratmeter Platz. Willkommen in der Natur.

Es ist 17.00 Uhr als wir mit unserem vollen Auto auftauchen und uns ein Freund Frieders mit den Worten begrüßt: „Willkommen bei den Hippies“. Die Stimmung ist super und entspannt. Ein wenig zu entspannt. Keiner weiß Bescheid was zu tun ist. Daher nehmen wir das Ruder selbst in die Hand und klären mit dem Technikern einige technische Fragen. Was man mit Technikern eben so klärt. Zu Peters Missvergnügen sollen alle vier Bands auf dem selben Schlagzeug (also Peters) spielen. Eine Wahl gibt es nicht. Nicht gerade fein so vor vollendete Tatsachen gestellt zu werden. Aber vielleicht sind wir einfach zu spießig.

Wir bauen unser Zeug auf die Bühne und haben Zeit für einen ausgedehnten soundcheck. Eigentlich haben wir kaum Zeit, doch würde hier niemand auf die Idee kommen uns von der Bühne zu schicken. Zeitpläne sind hier eher eine Richtlinie.
Wir treffen die unglaublich freundlichen Menschen von „Gretechen Hund“. Die sympathischen Krachmacher die nach uns die Bühne gebrauchen werden. Essen: Lecker vegetarisch und das ganze auf Tellern, die man selber spülen muss. Dazu Bier und nette Menschen.

Was folgt ist eine lange Wartezeit. Es ist 19.00 Uhr. Unser Auftritt ist für 21.00 Uhr angesetzt. Wir haben uns vorgenommen niemals angetrunken ein Konzert zu spielen. Heute schon muss ich mit diesem Vorsatz brechen. Zu viel Zeit verstreicht und zu schlecht sind die Bands, die die Bühne in Anspruch nehmen. Dieser Text soll jetzt nicht dazu da sein andere Musikgruppen zu dissen, bei weitem nicht. Nicht das es plötzlich heißt „Die Jungs von Rhoads sind voll arrogant ey!“ Nur so viel sei angemerkt: Wenn eine Band auf der Bühne sich beim vor sich hincovern selber langweilt so werden es die Menschen vor der Bühne mit großer Wahrscheinlichkeit auch tun. Kleiner Gratistipp am Rande.

Wir  trinken dann doch relativ kommod, so dass als es dann endlich vorbei ist mit dem Warten, ich schon einen leichten Schwips habe. Wir stellen unsere Instrumente auf die Startpositionen und spielen noch ein wenig die Aufgeregten. Wo sind wir hier gelandet? Werden wir die Leute mitnehmen können? Peter ermahnt mich, auch ja ordentlich ab zu gehen, da der Abend bisher eher langweilig war. Ich nehme es mir vor.  Mein Konzertbier stelle ich au meinen Verstärker.

Schon geht es los. Nervös bin ich wenig, vielmehr verärgert, darüber nicht weniger getrunken zu haben. Meine tightness habe ich in der Wiese liegen gelassen. Wir beginnen mit vanqish und schaffen den opener sogar bis zum zweiten lauten Teil. Dann das große Unglück:

Durch meine Abgehung und die Vibration meiner Bassanlage fällt mein Konzertbier von derselbigen auf eine Mehrfachsteckdose. Zack! Der Strom ist weg. Kurzschluss. Wir und das Publikum stehen im Dunkeln. Mist. Verdammter Mist! Was ist da los. Es dauert mehrere Augenblicke bis das Problem gefunden und der Übertäter – in diesem Fall ich – entlarvt wurde. Frieder brilliert durch seine gekonnt ungekünstelten Ansagen und so scheint auch diese Wartezeit eher ein Glücksfall für uns zu sein. Das Publikum zeigt sich versöhnlich und schließt uns ins Herz.

Die Panne wurde behoben, der Bassist öffentlich getadelt und die Steckdose ausgewechselt. Das Publikum – ausgelassen und fröhlich – beschert uns einen Auftritt der unsere Erwartungen bei weitem übersteigt. Lieder werden unter Jubel beendet und einige Menschen entdecken ihren Hang zum Ausdruckstanz. Wir feiern unsere Lieder zusammen mit den Hippies. Wir müssen sogar unser verpatztes erstes Lied nachliefern. Alles scheint wundervoll.

Nach einer Stunde ist das innere Feuerwerk vorbei. Ein Mädchen kommt dankbar zu mir um mir zu gestehen, dass sie geweint habe. Das wohl schönste Kompliment das man uns machen kann. Als sie noch meint wir seien besser als Radiohead werde ich komplett verlegen. Naja lassen wir mal die Kirche im Dorf. Obwohl mit Kirche habt ihr es ja nicht so. Trotzdem sehr nett.
Mittlerweile war auch schon die Polizei vor Ort. Denen hat es anscheinend nicht so gut gefallen denn der restliche Abend wird unter dem Gebot der Stille verbracht. Ein Jammer für die nachfolgende Band. Umsonst angereist. Mein Beileid an dieser Stelle.

Wir lassen uns noch ein wenig feiern und verkaufen CDs um dann unter Begleitung von Lagerfeuertrommeln und Indiandergesängen unsere Sachen in das Auto zu laden. Hier trennen sich unsere Wege. Während einem Teil der Band nach einem Absacker zumute ist bin ich der Meinung, dass der See mich noch dringend braucht.

Der Rest der Nacht lässt sich in einigen Worten gut umschreiben: Freibier, Nachtbaden, Schürfwunde, Lagerfeuer und der erste Zug nach München.

Danke vielmals für den schönen Abend!

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