Negative Menschen und eine Gruselgeschichte

Negative Menschen gibt es überall. Manche meinen auch: „Idioten gibt es überall.“ An sich ist das nicht falsch, aber so sagen würde ich das auch nicht umbedingt. Schließlich gibt es auch tolle Menschen überall. Es ist also eine Frage des Blickwinkels. Ich hab schon wieder alles gesagt. Alles Folgende ist nur Gebrabbel.

Was ist meine Sicht auf das Leben? Bin ich gewillt, nur das wahrzunehmen, was mir nicht gefällt oder will ich die Augen offenhalten für die besonderen Dinge des Lebens? Ich weiß, das Gemotze und Gejammer kann auch Spaß machen. Sich mal wieder so richtig aufregen können ist ja auch ein Ausdruck von Leidenschaft und Lebendigkeit.

Doch bei manchen Leuten besteht die Gefahr, aus dem Aufregen nicht mehr herauszukommen. Negative Menschen. Ihr kennt die doch auch, oder? Die Empörung wird zum Dauerzustand und das ist dann häufig der Punkt, an dem es ungesund werden kann. Wer sich immer ärgert, wer sich niemals freut, der wird unglücklich. Klingt logisch, ist aber noch wahrer als es klingt. Ich bin der Meinung, dass die Art, wie ich auf mein Umfeld blicke eine Frage der Entscheidung ist. Wer sich aufregen will, der wird auch immer einen Grund zum Aufregen finden. Dem wird immer alles stinken: Seine Arbeit, der verspätete Bus, die Preise der Wohnung, die Lautstärke der Kinder im Abteil, der Stau, die Qualität des Videos, das Fernsehprogramm und vieles vieles mehr. Alles eben.

Kann man so machen, muss man aber nicht. Ich finde, dass das Leben eigentlich ziemlich cool ist. Klar muss ich nicht den ganzen Tag lachen vor Freude. Besonders dann nicht, wenn in den ersten Tagen Kennenlernspiele im Sitzkreis für einen Masterstudiengang als angemessen gelten. Aber ich kann anfangen das Ganze von der amüsanten Seite zu sehen. Ist doch irgendwie großartig, was man alles an absurden Dingen erleben darf. Das sollte uns nicht gleich aufregen, sondern viel eher amüsieren. So sitze ich also hier und denke mir: Schon verrückt was man alles erlebt.

Was soll ich mich denn auch groß aufregen und ärgern über den Zirkus, der mir geboten wird. Ist doch sowieso nur von kurzer Dauer. Langfristig hab ich keine Lust ein verbitterter Griesgram zu werden und das hab ich im Moment noch selber in der Hand.

Eine Geschichte die mich erst sehr aufgeregt, im Nachhinein aber sehr amüsiert hat ist folgende:

Abschlussfeier. Ich bekomme mein Abschlusszeugnis. Eine Veranstaltung, wie man sie eben erwartet. Schick gekleidete Menschen kommen mit ihren schick gekleideten Familien und Freunden zusammen, um mit feierlicher Miene feierlichen Reden und Danksagungen zu lauschen.

Natürlich sollen auch die Absolventen zu Wort kommen. Beim Programmpunkt. „Rede der Studierenden“ stehen fünf Frauen aus der ersten Reihe auf, nicht um, wie zu erwarten, an das Rednerpult zu treten, sondern um in den kleinen Nebenraum zu gehen.

Eine schlimme Vorahnung überkommt mich. Als ich noch denke, “Hoffentlich spielen die jetzt nichts vor”, passiert es schon. Das schlimmste Lied der Welt, äh, das schönste Lied der Welt leitet das Folgende ein. Aus einem CD-Spieler dröhnt, äh, erklingt:„Dieser Weg wird kein leichter sein – dieser Weg wird steinig und schwer.“

PLATTER GEHT ES NICHT? DOCH!

Die vier Damen kommen aus dem Nebenraum. Gemeinsam tragen sie mit gespielt angestrengten Blicken einen Wanderrucksack.

Ach wie schön! Ach wie passend! Der Rucksack als Sinnbild der schweren Bürde des Studiums – gemeinsam getragen. Ich weine und lache ein bisschen vor Glück und erbreche mich vor Scham. Ich hab den richtigen Moment, den Saal zu verlassen verpasst. Da muss ich jetzt durch.

Die Damen packen den Rucksack aus. Sie nehmen Bücher, eine Thermoskanne, eine Tupperdose in Bananenform (?) und vieles Weitere aus dem Rucksack um es aus zu breiten. Das Publikum schweigt still. Versteinert sitzen wir auf unseren Stühlen und finden unsere Schuhe plötzlich sehr interessant. Nacheinander treten die Rucksackträgerinnen an das Mikrofon, um die Gegenstände und ihre symbolische Bedeutung vorzustellen. Die Brotzeit: “Es ist sehr wichtig, sich gesund zu ernähren und viel zu trinken. Ja, das ist es. Aber auch eine Schokolade darf mal sein. Ja, das kleine Stückchen Nervennahrung. Hähähä.“

FETTE SAU!

Das Handy: Besonders wichtig. Vor allem, weil es sich um ein so genanntes Smartphone handelt. Hört, hört. Was man damit nicht alles machen kann. Man kann Kontakte speichern, um in Kontakt zu bleiben, den Terminplaner nutzen, um Termine zu planen, den Wecker einstellen, um geweckt zu werden und ganz wichtig: In der Vorlesung Antworten googeln, die auch der Dozent gerade nicht beantworten kann. Neckisch ironischer Nachsatz: „Was natürlich niemals vorgekommen ist. Hähähä.”

Ich erbreche mich erneut.

Die aus Papier ausgeschnittene Brille in der Farbe rosarot: Steht für die rosarote Brille, die am Anfang noch getragen wurde, die aber dann irgendwann mal abgelegt werden musste, um einen Perspektivewechsel (es folgte ein Performancepart in dem die rosarote Brille gegen eine schwarze ausgetauscht wurde) durchzuführen. Den Punkt hab ich nicht ganz verstanden, muss ich selbstkritisch zugeben. Dass ich mich geschämt habe,  weiß ich noch.

Ein Lied leitet das große Finale ein. Während die hohlen Frauen winkend ihren Rucksack aus dem Raum tragen erklingt, nein dröhnt, “We are the champions!“

Man könnte jetzt eine Lanze brechen für die guten Frauen und Sagen „Die haben sich wenigsten Gedanken gemacht. Das war doch mal was anderes.“  Worauf ich sagen würde: „Nein Gedanken haben die sich keine gemacht und kein Sinnbild ist ausgelutschter als das Bild vom Rucksack.“
Wenn dann jemand entgegenhalten sollte: „ Aber, die haben wenigsten überhabt was gemacht, während ihr gar nichts gemacht habt.“ muss ich leider sagen: „Stimmt, aber mir wäre es deutlich lieber gewesen, wenn überhaupt keiner etwas gemacht hätte und wenn dann nicht soetwas.“ Ja das würde ich  sagen und würde mir denken: Bei meiner nächsten Abschlussfeuer werd ich mich selber einbringen. Dann wird es weniger peinlich, keiner kann mir etwas vorwerfen und das ist immer noch besser als sich aufzuregen.

Auch ein guter Weg sich das Leben schöner zu machen: Es selber besser machen

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2 Gedanken zu “Negative Menschen und eine Gruselgeschichte

  1. diese Thermoskanne steht für die emotionale Kälte, die manche Mitstudierenden uns ehrenwerten und liebenswürdigen und KREATIVEN Studentinnen entgegengebracht haben. Wir konnten uns daran wärmen und für kurze Zeit unser langweiliges Leben vergessen …

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