Diskomuskeln

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Diskogeschichten:
Eine der ersten Artikel die ich hier geschrieben habe war der Artikel Discoplanet. Anlässlich des 100. Artikels soll es sich auch heute um die Disko drehen.

Zwei Geschichten hab ich für euch. Beide eher peinlich.

Mit der Peinlichkeit ist das ja so eine Sache. Ich finde wir gehen damit, viel zu verkrampft um. Natürlich wollen wir in einem guten Licht stehen und wollen, dass wir nicht unbeholfen und seltsam wirken. Daher haben wir Angst unsere Peilnlichkeiten zu zeigen. Um nicht mehr der Angst der Enttarnung ausgeliefert zu sein möchte ich meine peinlichen Sachen einfach mal offen legen. Wenn man sowie so schon alles über mich weis, dann kann man mich auch nicht mehr damit konfrontieren.

Natürlich hat meine Transparenz auch Grenzen irgendwo muss man sich ja auch noch ein kleines bisschen Privatsphäre bewahren. Will heißen so konsequnt bin ich dann doch nicht,  aber ich wollt  einfach mal versuchen wie das so ist meine unangenehmen Geschichten einfach mal offen zu legen. Es ist wieder mal so ein Experiment.

Daher  zum 100. Artikel, für euch das peinlichste Bild das es von mir gibt:

Der teufel liegt in den Details (z.B. im Schritt)
Der teufel liegt in den Details (z.B. im Schritt)

Aber: Eigentlich wollt ich ja Diskogeschichten schreiben. Nun gut die erste Geschichte.
Die Leute mit denen ich unterwegs bin sind sehr betrunken und ich fühle mich ein wenig fehl am Platz, da ich irgendwie niemanden so richtig kenne. Ich bin quasi auch nur mitgekommen aus Ermangelung eines besseren Abendplanes.

Ich unterhalte mich ein wenig mit den Freunden von meinem Mitbewohner. Soweit sind die ja ganz in Ordnung. Mit einem Mädchen unterhalte ich mich etwas länger. Irgendwie geht es ihr auch so wie mir, so richtig Spaß am Abend hat sie nicht und so sind wir beide froh ein nettes Gespräch zu führen. Wir unterhalten uns unter anderem darüber, dass es schwierig ist ab einer gewissen Uhrzeit noch mit den öffentlichen Verkehrsmitteln nach Hause zu kommen. Dabei stellen wir fest, dass wir in der gleichen Ecke der Stadt wohnen.

Der Abend nimmt seinen Gang. Es wird ein wenig getanzt und ein wenig herumgestanden bis ich beschließe genug präsent gewesen zu sein und beschließe nach Hause zu fahren. Also verabschiede ich mich. Meiner vorherigen Gesprächspartnerin möchte ich anbieten den gleichen Bus zu nehmen und sage einen Satz den sie blöderweise falsch versteht: „Also ich pack‘s dann, wenn du mit willst – letzte Chance.“

Sie hat (verständlicher Weise) mein nett gemeintes Angebot als plumpen Anmachspruch gedeutet und mich irrtümlicherweise als Playboy enttarnt. Statt einer Antwort ernte ich einen entsetzten Blick und einen Schups. Wie unangenehm. Nur ungern möchte ich bei Menschen in Erinnerung bleiben der in Clubs blöde rumbaggert und auf flüchtige Betteschichten aus ist. Außerdem: ich bin mir nicht sicher ob ich so besonders bin, dass der Ausdruck „Letzte Chance“ angemessen wäre. Damit muss ich wohl jetzt leben.

Anders bei der zweiten Geschichte: Hier hatte ich es mit einer Person zu tun, die mir in schlechter Erinnerung geblieben ist. Allerdings ist die Schlechtheit der Errinnerung auch schon wieder großartig.

Die Truppe mit der ich unterwegs bin, in diesem drolligen Schuppen von Dorfdisse der sich „Schön und Wild“ schimpft, ist fantastisch. Viel zu früh tauchen wir auf und stürmen die Tanzfläche. Ganz egal wie schlimm die Musik und wie verstört die Reaktion der anderen Gäste ausfällt. Ein guter Abend. Während sich alle anderen so fühlen wollen als wären sie in einem edlem Abendlokal durchschauen wir die billige Fassade und geben dem Club das was er verdient: Ironie.

Das „Schön und Wild“ ist ein Abschleppschuppen erster Ordnung und auch wenn mir wie immer das Interesse an Abschleppung fehlt wimmle ich das junge Ding nicht unfreundlich ab was mich da anspricht. Da bin ich Gentleman genug.

Das war schon eine, sagen wir mal, besondere Frau. Sie war nämlich riesig. Also riesig nicht im Sinne von übergewichtig oder fett. Vielmehr war diese einfach groß. Alles an ihr war einfach ein bisschen größer geraten als bei anderen Menschen und so kam es, dass mich ein Mädchen mit riesigem Kopf (der sich einen Kopf über meinem befand), volltextete. Das fand ich schon wieder so herrlich skurril, dass ich einfach mitmachen musste. Ich in einer Proletendico neben einer betrunkenen Riesenfrau. Also hörte ich mir an wie interessant ein BWL-Studium sein kann und wie sinnvoll es ist zu hause zu wohnen weil man da keine Miete bezahlen muss und man sich ganz leicht ein Auto leisten kann uns weiteren Blödsinn.

Irgendwann wird es mir dann doch ein wenig zu blöd. Spätestens als die gute Frau mir irgendetwas sau dummes antwortete, als ich meine, dass ich schon einiges an Geld dazu verdienen muss um mir mein Leben in München leisten zu können konnte ich nicht anders und lies den Satz los: „Du brauchst mir doch nichts erzählen. Du wohnst zuhause und lässt die von deiner Mutti deine Unterhosen bügeln.“

Von meiner Fehde will das Dorfmädchen aber nichts mitbekommen. Sie will es nicht verstehen.  Alles was sie als Antwort zu bieten hat flüstert sie mir erotisch und so leise wie es in einem Club eben geht ins Ohr: „Ich trage keine Unterwäsche

Ich bekomme eine Gänsehaut. Ein Satz der so unglaublich haarstäubend ist, das er schon wieder geil ist. Nur blöd, dass er etwas zu ernst vorgetragen wurde. Da bin ich mir sicher. So einen Satz kann man gar nicht ironisch gemeint haben. Finde ich zumindest und schließe die Geschichte mit meinem Dank an das einfache Dorfmädchen mit dem großen Körper. Danke für deinen Mut und diese schöne Geschichte.

Das Rumgebaggere in Clubs dieser Welt, das sich jeden Tag immer wieder aufs Neue wiederholt und das ich wohl niemals verstehen werde. Warum tänzeln Menschen geil umeinander herum und hoffen dabei auf das beste? Warum machen sich so viele junge Menschen zum Affen und werfen in den Diskos Wochenende für Wochenende allen Verstand über Bord und mutieren zu  triebgesteuerten Tieren sobald bei blinkenden Licht und lauter Musik getanzt wird. Fragen, so fürchte ich, auf die ich wohl auch im nächsten Jahr keine Antwort finden werde.

Zum Schluss stelle ich euch noch mein persönliches Wort des Jahres vor: Es gibt Menschen die gehen in Fitnessstudio oder kaufen sich Hanteln, (die dann meistens unter ihren Betten einstauben). Sie tun das mit einer bestimmten Absicht. Sie wollen ihre Muskeln möglichst groß und möglichst sichtbar machen. Diese Art der Muskeln haben einen Namen: Diskomuskeln.

Ich werde mich nächstes Jahr  in einem Fitnessclub vorstellen und wenn mein Trainer mich fragt was ich mir denn so vorstelle werde ich sagen: „Hach ja, nichts besonderes, so Diskomuskeln halt.“

Schöne Feiertage

4 Kommentare zu „Diskomuskeln

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