Hipster vs. Nazis

© joleitenmeier.com

Ich muss mal wieder was los werden. Schon wieder gibt‘s da so Sachen die einen schon ins Auge springen. Das Phänomen der Hipster zum Beispiel. Ich hab an dieser  Stelle ja auch schon Beschwerde eingereicht über dieses Phänomen. Mit meiner Meinung steh ich ja ganz offensichtlich nicht alleine: Keiner mag sie und keiner würde sich freiwillig als einen bezeichnen. Hipster sind immer die anderen.

Diese engen Jeans, die großen Brillen, der untercut Haarschnitt und der Jutebeutel. Sehen alle gleich aus jajaja… und alle fühlen sich ganz individuell, auch wenn sie ihre Individualität von der Stange kaufen. Schon klar. Doch es soll heute nicht darum gehen das allgemeine bashing weiter voran zu treiben. Das können andere machen. Hier soll stattdessen mal wieder der Kopf angestellt werden.

Die Kritik am Hipster ist so sehr zum Massenphänomen geworden wie der Hipster selber. Wenn etwas die Breite der Gesellschaft erreicht werde ich allerdings manchmal kritisch. Daher möchte ich hier einmal einlenken. So viel wie sich über den so genanten Hipster beschwert wird kann nicht mehr gesund sein.

Ich glaube, die Verachtung von Menschen mit Hornbrille, Slimjeans und Einheitsfrisur, ist in Wirklichkeit die Verachtung von etwas ganz anderem.

Ich behaupte ja sowieso, dass es den Hipster an sich gar nicht gibt sondern, dass das Phänomen der Hipster so alt ist der Begriff des Sündenbocks.

Die aktuelle Mode ist halt hässlich und es gibt hat genug Leute die blöd genug sind das mitzumachen und hier und da etwas zu übertreiben. Aber ist das wirklich was neues? In den Neunzigern hat es zum Beispiel auch die Skaterideoten gegeben die ihre Boxershorts gar nicht mehr versucht haben zu überdecken -sah auch blöde aus- und es war auch eine zeitlang jeder dritte ein Punk. Irgendwo hat da jeder mal ein bisschen mitgemacht und manche haben es halt ein wenig zu ernst genommen.

Genau wie auch die ganzen Attribute die dem Hipster offenbar zugeschrieben werden sind doch keine speziellen Neuheiten einer Subkultur das ist einfach Zeitgeist. Photographie, smartphones, Elektroparties, sinnlose Webblogs, Vegetatismus oder die Angewohnheit sich ein wenig überlegen und besonders schlau zu fühlen, das gab es alles schon und ist an und für sich nicht von Haus aus zu verurteilen.

Sojamilch schmeckt eklig aber ist eigentlich immer noch besser als die Massen an Milch die „wir Normalos“ in uns reinschütten. Gesund ist das nämlich auch nicht. Photographieren ist ein tolles Hobby und wer das gerne machen möchte sollte das bitte tun. Fleisch fressen wir doch sowieso alle zuviel, und jeder stellt sich eben so dar wie er es möchte und wie es ihm eben möglich ist.

Es gab schon immer Leute die sich über ihren Look und ihr Auftreten identifiziert haben, die wird es auch immer geben und jetzt kommt‘s: wir sind in all dem nicht besser.

Klar wollen wir etwas besonderes sein. Wir alle. Die neusten Trends an Mode und Musik sind dabei auch nur Mittel zum Zweck. Kleidungsklassiker wie ein Standart-Tshirt und eine langweilige Jeans kann es doch auch nicht sein und überhaupt wo kann man sich denn bitte – um bei der Kleidung zu bleiben- ganz „normal“ einkleiden? Meine Güte, wir machen doch alle irgendwie überall mit. Gewollt oder ungewollt. Bewusst oder unbewusst.

Der Wunsch nach Einzigartigkeit ist gut und erstrebenswert nur leider ist das doch fast nicht möglich. Der Markt bedient doch auch nur das was die Gesellschaft haben will.

Jaja „die Gesellschaft ist Schuld“ kann man da sagen, doch dabei vergessen wir immer wieder, dass wir selber die Gesellschaft sind. Daher Vorsicht beim Gebrauch von diffusen Mehrheitsbegriffen.

Klar ich beschwer mich auch darüber, wenn die Menschen das Denken abschalten. Wir sind alle von Haus aus so unterschiedlich, dass wir dafür keine besonderen Artikel brauchen und auch nicht allen vermeidlichen hipes nachjagen müssen.

Gleichzeitig möchte ich mich aber dafür aussprechen die eigene Kritik anderen gegenüber kritisch zu sehen. Oftmals verurteilen wir genau das bei anderen was uns bei uns selber stört. So gesehen ist ein Hipster der Sündenbock für unsere eigenen Unzulänglichkeiten viel zu schnell jeden Schmarn mit zu machen.

Also:  Den Hipster gibt es nicht. Vielmehr ist es ein Schimpfwort für einen Menschen der einfach ein bisschen zu viel mitmacht. Das trifft nur leider auf uns alle zu.

Also seht endlich ein, dass wir alles etwas Hipsteresktes in uns tragen oder ihr verschont mich ein für alle mal mit eurer phantasielosen Kritik. Es langweilt. Regt euch lieber über Nazis auf. Die tragen zwar auch nur das öffentlich nach außen was wir uns als eigene Vorurteile nicht eingestehen wollen aber die haben dabei wirklich jeden Verstand abgelegt.

Liebt euch.

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5 Gedanken zu “Hipster vs. Nazis

  1. man kennt doch das Gefühl etwas esthetisch zu finden und dabei ein schlechtes Gewissen zu bekommen weil es gerade der Mode entspricht. aber man kann ja strenggenommen nur das essen was auf den Tisch kommt, es sei denn man setzt sich an die Nähmaschine.
    Mein Ziel ist es beim einkaufen das zu kaufen was mir gefällt. eigentlich.
    aber vielleicht laufe ich ja nächsten Sommer stolz mit einer Latzhose durch die Straßen obwohl ich die noch nie gemocht habe. Mode hat nicht das Ziel das du findest wonach du suchst, sondern das du kaufst. Ganz einfach. Und wenn die Menschen in deiner Umgebung alle als Schaufensterpuppen agieren entscheidet man sich doch eher für die Röhrenjeans als mal wieder eine Schlaghose zu tragen.

  2. digga du bist doch genauso hipster wie wir alle, nur nimmst du das alles ernst und deklassierst dich damit zum toyspacken, ein wort das sich aus gutem grund auf scheuklappen reimt

    1. Ich glaube, du hast nicht ganz verstanden worum es mir ging. Aber das ist in Ordnung. Nur freundlich sollte man schon bleiben können. Ich geh jetzt Club-Mate trinken

  3. Toller, interessanter Blog! Bin heute morgen durch Zufall darauf gestoßen und hängengeblieben. Es ist fast bekloppt aber ich bin geradezu dankbar diese Seite gefunden und einige Einträge gelesen zu haben. Meine Eltern sind beide Sozialpädagogen, deshalb habe ich das für mich immer ausgeschlossen und mich interessiert es trotzdem. Auch weil eine gute Freundin jetzt das Fach in Eichstätt studiert und ich mich schon über Erzählungen von Trommelstunden und Sitzkreisen mit Duftlampen freue. Hat mich unterhalten und zum Nachdenken gebracht.

    Gruß aus Berlin

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