Körperklaus wird salonreif

Körperklaus

Was ist los mit euch Kerlen? In den letzten Jahren scheint es immer wichtiger zu werden, seinen Körper aufzumotzen. Ich spreche jetzt nicht davon seine Fitness in den Griff zu bekommen, laufen zu gehen oder regelmäßig Fahrrad zu fahren. Das gibt es schon immer und das ist auch gut so.
Einem Körper, der fit ist, soll man das immer am besten schon von weitem ansehen. Dabei schießen jedoch viele über das Ziel hinaus. Alle wolle plötzlich Muskelmänner werden.
Das Schönheitsideal, von einem intakten sportlichen Körper hat sich pervertiert zu einem Muskelpaket, mit extra breiten Schultern und massigen Oberarmen. Normal reicht nicht mehr aus. Fällt mir das erst jetzt auf, und was ist schon normal?

Weil man einen exakt definierten Muskelkörper nicht durch den Sport des Normalverbrauchers hinbekommt, rennen alle ins Fitnessstudio und heben Gewichte. Masse statt Klasse. Hier wird fleisig der Körper gequält, damit man auch schön sieht was für ein Teufelskerl man ist. Ich finde das lächerlich. Ich verstehe den Zweck dessen nicht. Ich finde das sogar ein wenig ekelig.

Auch wenn ich dieses Gepumpe und Eiweisdrinkgesüffel nicht nachvollziehen kann, habe ich dennoch eine Theorie: Das stählen des Körpers ist eine verzweifelte Ausdrucksform des Mannes. Das Bild des Mannes ist scheinbar in der Krise. Was macht heute einen Mann aus? Ich könnte auch fragen: Wann ist der Mann ein Mann? Mach ich aber nicht. Um als ganzer Kerl zu gelten hat ein junger Spross zwei Möglichkeiten. Er wird ein sensibler, gebildeter Künstlertyp, der gut zuhören kann. Ein Kerl, der weiß sich verbal auszudrücken und durch gedankliche oder Handwerkliche Leistungen zu sozialem Ansehen gelangt. Oder, wenn ihm das zu anstrengend ist, zu einem starken Helden mit unverwüstlicher Statur. Ein Typ der zwar nicht den Überblick hat, aber wenn es darauf ankommt in der physischen Auseinandersetzung seinen Mann steht.

Schon klar ich überspitze diese beiden Pole natürlich. Letztlich kommt es immer darauf an  ob jemand authentisch seine Person verkörpert oder nicht, aber diese beiden polaren Tendenzen lassen sich nicht ganz leugnen.

Warum ich diese beiden Extreme aufzuzeichnen versuche: Ich möchte mir selber eine Vorlage zu folgender polemischer Aussage bereiten: Wer nichts im Kopf hat, der vergrößert einfach seinen Oberarm. Wer sich nicht geistig voran bringt, geht einen Schritt zurück und folgt dem Pfad des muskulösen Kriegers. Willkommen zurück in der Steinzeit.

Leider kauft der Körperklaus jedoch eine Mogelpackung. Was bringen einem die großen Muskeln, wenn diese so groß werden, dass man nicht einmal einen Klimmzug hinbekommt, weil die Arme an Beweglichkeit verloren haben, also sich einfach selber den Weg versperren? Ich habe auch schon davon gehört, dass Bodybuilder sich nicht mehr den Hintern abwischen können, weil sie einfach nicht mehr rankommen. Was bringt ein starkes Kreuz, wenn ich keinen Hügel mehr nach oben komme ohne dass mir die Luft weg bleibt?

Muskelkörper haben keinen Zweck, sie machen das Leben unpraktisch. Alles sieht nur kräftig aus, ist aber beim genauen Hinsehen ein Witz. Wer braucht heute schon diese Muskeln? Hafenarbeiter vielleicht? Wobei diese heutzutage auch nur in ihren Krankabinen und Gabelstaplern sitzen und die schwere Arbeit den Maschinen überlassen. Gegen feindliche Stämme oder wilde Tiere musste ich mich auch noch nicht verteidigen.

Schön ist hier der Bergriff „Diskomuskeln“. Treffender kann man es nicht auf den Punkt bringen. In der Disko, dem Balzplatz der modernen Gesellschaft, eine gute Figur machen. Enfach aber scheinbar effektiv. Was drinnen steckt, ist erst mal egal. Hauptsache wahrgenommen werden. Damit wird, so traurig es ist, das Muskelspiel zur männlichen Version von Magersucht. Wenn kein anderes Mittel mehr hilft Anerkennung, Aufmerksamkeit oder Wertschätzung zu erlangen, greift der Mensch zum Äußersten und führt Krieg gegen seinen eigenen Körper. Was bei der Magersucht der Hunger ist, ist beim Bodybuilding der Schmerz. Finden wir alles erst mal gut. Eine schlanke Frau wird eher respektiert als eine weniger Schlanke. Nur irgendwann kommt der Punkt, dann wird die Wahnvorstellung vom eingenen Körper zur Krankheit. Jetzt soll mir mal jemand erklären, warum das bei den Männern, mit ihrer Vorstellung vom eigenen Traumkörper anders sein soll.

Gut fand ich zum Thema auch diese beiden hier:

 

 

 

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