Ein Aufsatz.

„Es ist egal, was du an hast
egal, wieviel du kiffst
egal, welches mag du liest
egal, welchen slang du sprichst
egal, wie du drauf oder mit wem du unten bist
entweder fühlst du Hip Hop oder du fühlst ihn nicht“

– Blumentopf

Ich habe mal wieder über eine bestimmte Formulierung nachgedacht. Das mache ich gerne, denn in vielen Aussagen oder Äußerungen von anderen Menschen steckt meistens sehr viel mehr, als beim ersten Hinhören zu vermuten ist.

Zum Beispiel ist die Aussage “Der hat wirklich einen guten Musikgeschmack.” mit großer Vorsicht zu genießen.

Der Wiederspruch liegt auf der Hand. Schließlich ist “Geschmack” etwas äußerst subjektives und unvergleichbares. Menschen und deren Geschmäcker sind wie Songs: Jeder ist unterschiedlich. So nimmt auch jeder Musik anders wahr. Den Geschmack und damit auch den Musikgeschmack eines anderen als “gut” oder “schlecht” zu bezeichnen, ist im Grunde etwas sehr egozentrisches. Fast schon etwas narzisstisches. Es ist, der inneren Haltung nach, so wie wenn ich in einen McDonald’s gehen, an einem fremden Tisch treten, den Burger eines Kunden nehmen, diesen in den Müll schmeißen und mein Verhalten damit rechtfertigen würde, indem ich sage: “Dieser Burger ist schlecht. Burger von Burgerking schmecken mir besser.” Das wäre großer Schwachsinn, oder? (Vor allem da zwischen den beiden Fastfoodketten kein aber auch wirklich gar kein qualitativer Unterschied besteht.)

Wenn jemand sagt: “ Du hast wirklich einen guten Musikgeschmack.”, sagt er damit eigentlich: “Du bist gut, denn du hast den gleichen Geschmack wie ich.” Ein nett gemeintes Kompliment, aber ehrlich gesagt: will ich so etwas niemanden sagen hören.

Wenn Menschen über Musikgeschmack reden ist das im Grunde nur dummes Gelaber. Geschwätz. Klugscheißerei. Es ist so belanglos wie über den Unterschied von McDonalds und Burgerking zu diskutieren, oder die Brüste von Frauen zu vergleichen. Ich bin einfach nur froh, dass es sie gibt. Also die Musik – und Brüste. Ich erfreue ich mich daran, dass sich nicht jeder Song gleich anhört (und nicht jedes paar Brüste gleich groß ist). Wenn dem so wäre, wäre Musik ungefähr so langweilig wie eine Dartmeisterschaft.

Ich wünsche mir, dass der Begriff “Musikgeschmack” mehr das beschreiben würde, wie das was er schon von seinem Wortsinn her sollte: Geschmack haben. Also verschiedene Geschmäcker, Richtungen, Techniken, Aromen, Nuancen kennen und einordnen können. Vergleichen können. Wissen was einem gefällt und in der Lage sein zu benennen, warum das so ist. Dabei sind Erklärungen wie persönlicher Bezug oder verknüpfte Erinnerungen übrigens nicht weniger wert, als wie das Lebenswerk eines Künstlers ganz allgemein zu verehren oder die besonderen technischen Fähigkeiten der Musiker.

Jemand mit einem guten Musikgeschmack sollte viel mehr jemand mit einem differenzierten Musikgeschmack sein. Zumindest würde man so dem Begriff Geschmack sehr viel gerechter werden und auch ich könnte es mir erspaaren eine Menge dummes Gelaber hören zu müssen.

Für einen guten Geschmack ist es übrigens nicht notwendig, dass jemand besonders viel Musik kennt, besitzt, live gesehen hat oder weiß, wie sich die neusten Entwicklungen in der Musikliebhaberszene beschreiben lassen.  Jemand mit einem guten (also differenzierten) Musikgeschmack hat verstanden, dass es gute oder schlechte Musikvorlieben einfach nicht gibt. Nein. Vielmehr kann so jemand genauer bestimmen und benennen welche Musik er persönlich mag und welche er nicht mag und auch (und das ist sehr wichtig) warum. Ein guter Geschmack – und das ist nicht nur beim Essen so – weiß Vielfalt und Abwechslung zu schätzen. Es zählt die Qualität -weniger die Attitüde.

Jemand mit einem differenzierten Geschmack gibt auch einem ihm unbekannten Lied oder Gericht ein Mindestmaß an Aufmerksamkeit und somit die Chance ein neues Lieblingsstück zu werden. Ausgenommen hiervon sind hier übrigens Volksmusik, Mittelalterrock und Ska. Das zu behaupten ist an dieser Stelle zwar absolut inkonsequent, das weiß ich. Aber Volksmusik, Mittelalterrock und Ska sind indiskutabel.

Ein guter Geschmack bleibt offen, ist nicht festgefahren. Leider vermisse ich das bei vielen vermeintlichen Musikliebhabern viel zu häufig. Diese haben es oft verpasst, offen zu bleiben für Anderes. Sie haben sich eines Tages auf eine bestimmte Art von Musik festgelegt und diese zur Maxime ihres Geschmacks erklärt. Dies geht häufig einher mit dem Verfolgen eines bestimmten Kleidungs- und Lebensstils. Besonders deutlich wird das bei Freunden von Mittelalterrock. Von mir aus auch bei Hip Hop.

Das ist bis zu einem gewissen Grad auch in Ordnung und nachvollziehbar. Spätestens seit Elvis war und ist Musik eng mit den lebensgestalterischen und modischen Aspekten von Kultur verknüpft. Doch wer sich allzu sehr auf eine bestimmte Form von musikalischem Ausdruck festlegt, der läuft leider auch Gefahr auf der Strecke zu bleiben. Das bemerken diese Menschen leider nicht. Dafür haben sie aber einen ganz ganz tollen Musikgeschmack.

2016-01-04 11.50.25

P.S.:
Eine letzte Sache noch: Ich hasse Mittelalterrock. Ich hasse ihn wirklich. Es ist die lächerlichste und falscheste Musik die es gibt. Als würden das Mittelalter und Rockmusik irgendwie zusammenpassen. Das ist einfach nur verlogen und rückständig. Mittelalterrock ist wie Metallica: Völlig überflüssig.

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