Wir kommen irgendwie nicht weiter.

Wenn Jan Böhmermann durch seinen Streich am Echo die deutsche Musikindustrie anprangert indem er auf auf die Oberflächlichkeit und Verlogenheit der am kommerziellen Erfolg orientierten Chartmusik aufmerksam macht, dann ist das gut und richtig. Es ist aber auch nicht neues. Wir haben schließlich schon vorher gewusst, dass deutsche Chartmusik kacke ist, oder? War das niemanden vorher klar?

Ich hab die Geschichte um Jim Pansko mal wieder zum Anlass genommen um darüber nach zu denken, wo sich das das Phänomen des möglichst großen Konsens außerdem, jenseits von Popmusik, breit macht. Denn deutsche Chartmusik ist mit Sicherheit nicht der einzige Bereich , bei dem die emotionale oder intellektuelle Tiefe verloren gegangen ist.

Wenn ich von “Tiefe” spreche dann meine ich damit, dass Emotionen mehr sein können als Glück oder Trauer. Schwarz oder weiß. Eine Ausdrucksform die nur folgende beiden Extreme kennt, Übermäßige überschwängliche Freude oder bodenlose Trostlosigkeit, bildet nämlich nicht wirklich die Realität ab. Anders gesagt ist für mich nicht authentisch. Und als genau das werden uns die Kunstformen verkauft: als authentisch.

Wenn sich jemand einem bestimmten Thema ernsthaft künstlerisch annähert, sei es durch Musik, Texten, Bilder, Videos, Memes, Selfies, Tweets, Filmen oder von mir aus auch durch Bildhauerei, der tut er dies vor allem in den emotionalen Grauzonen. So zumindest mein Verständnis von guter glaubhafter Kunst. Auch dann wenn sie niederschwellig und leicht zugänglich sein soll. Denn auch glaubwürdige Kunst kann unterhaltsam sein.

Häufig geht die Bandbreite von Emotionen jedoch verloren, zugunsten von Konsens. Es wird das abgebildet, wass ein breites Publikum erreicht. Eine Kunst des Konsenses. Wie spreche ich möglichst viele Menschen mit meiner Kunst an? Erfolg und auch künstlerischer Erfolg misst sich heute an Zahlen, an Klickzahlen, Besucherzahlen, an Followern und beim Poetry Slam bei der Lautstärke des Applauses. Eine differenzierte Bewertung findet immer weniger statt.

Dabei ist Kunst doch nicht dann gut, wenn sie möglichst vielen gefällt oder möglichst viele sie verstehen. Nein. Kunst ist vielmehr wie Humor. Zunächst einmal äußerst subjektiv und außerdem nicht dann gut wenn alle lachen. Humor ist dann gut, wenn eben manche lachen und anderen das Lachen stecken bleibt.

Mit Kunst hat vieles was wir als solche verkauft bekommen wenig zu tun. Eine Kunst des Konsens ist keine richtige Kunst vielmehr ein Handwerk. Gemacht von Menschen, die wissen (oder glauben zu wissen) welche Knöpfe sie bei ihren Empfängern drücken müssen um gut anzukommen.

Schön und gut. Das darf ja auch sein. Jemanden der davon leben muss, seine Werke oder vielmehr Produkte an den Mann / Die Frau zu bekommen, dem kann man das auch schwer vorwerfen. Doch ist es mir ein Anliegen, dass dabei mit offenen Karten gespielt wird.

Das bedeutet für mich, dass nicht länger so getan wird, als stünde ein großer künstlerischer Anspruch hinter dem, was dem Publikum angeboten wird. Der Motor von Kunst sollte immer ein echtes inneres Anliegen sein. Etwas echtes im Inneren ausdrücken zu wollen und diesem Bedürfnis eine Hülle geben zu wollen und weniger der Wunsch möglichst vielen Menschen eine Unterhaltung zu sein.

Mir gefällt sehr gut was Banksy sagt:

“The time of getting fame for your work is over. Artwork that is only about wanting to be famous will never make you famous. Fame is a by-produkt of something else. You don’t go to a restaurant and order a meal because you want to have a shit.”

Halleluja Amen!

Weiter wünsche ich mir, dass  weniger so getan wird, als würden die großen und komplexen Themen angesprochen werden. Wenn ihr seichte Musik machen wollt: nur zu. Wenn du Texte schreiben willst, mit denen du einen Poetry Slam gewinnen willst mehr aber nicht: mach ruhig. Wenn es dir genügt, dass viele Menschen deine Vlogs klicken, ohne dass du dabei etwas von Substanz von dir lässt: ok. Aber bitte hört auf als würdet ihr mehr machen, als sehr einfache Wahrheiten in sehr einfachen Worten unter die Leute bringen.

Vielleicht solltet ihr auch aufhören bei euren Erzeugnissen von Kunst oder Authentizität zu sprechen. Nennt es doch einfach beim Namen: Unterhaltung.

Bei diesem Blog hier ist es übrigens nichts anderes. Das dieser so gut wie gar keine Besucherzahlen hat stört mich immer weniger. Das soll auch gar nicht der Anspruch dieser Seite sein. Mir ist es ein Anliegen meine Gedanken glaubwürdig und authentisch in Texte zu bringen. Vor allem weil es mir ein Bedürfnis ist. Was weiter mit diesen Texten geschieht ist für mich weniger interessant und liegt weiter auch gar nicht in meiner Hand. Im besten Fall haben meine Leser einen Text bis zu Ende gelesen und wenn sie mal wieder vorbeischauen ist das natürlich auch schön.

Hier sind noch Bilder von meinem Urlaub auf Kreta.

(die sind natürlich geschützt)

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Ein Gedanke zu “Konsens – Text und Bilder

  1. … Jo, ich würde so gerne mit dir die Welt verändern. Vielleicht kommst du in die Werbung und wir fangen dort an? Da gibt es viel Nachholbedarf: Denn da ist alles ohne Parabene oder mit Vitamin C, aber leider ohne Herzensanliegen. Ich liebe auch die Bilder. Dein größerer Fan.

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