Was wäre wenn die deutschen Reisenden nicht immer so tun würden als ob ihr Urlaubsland ein Krisengebiet wäre? Ich finde das unpassend.

Wie viel angenehmer und weniger schlimm wäre es , wenn man die deutschen Landsmänner und Landsfrauen nicht schon von Weitem als solche erkennen könnte. Diese deutschen Urlauber. Ein schwieriges Thema. Ein spezielles Volk. Oh mann “Volk” und “Deutsch” in einem Satz, sowieso eine Kombination mit kritischem Potential.

Die deutschen Reisenden erwecken durch ihre Kleidung den Eindruck, sie würden sich in einer Extremsituation befinden. Ich finde das unpassend. Weil sie das auf keinen Fall sind. Dies fällt vor allem dann auf, wenn man feststellt, dass Menschen in einer beliebigen Innenstadt einer beliebigen Stadt Europas angezogen sind wie in der Sahara oder auf dem Matterhorn.

Thermohosen in Erdtönen, Westen mit praktischen Taschen, ebenfalls in Erdtönen. Am Gürtel allerlei Überlebenswichtiges und Teures. Auf dem Kopf der Sonnenschutz. Der Sonnenschutz. Ein schwieriges Thema. Kein Einheimischer , sei es in Helsinki, Rom oder in Meppen zieht sich einen Sonnenschutz auf den Kopf. Erst recht nicht aus Stroh. Den Kopf vor Sonne durch einen Strohhut zu schützen, so etwas machen wirklich nur Touristen. Auch wenn diese eigentlich nicht auffallen wollen, ein Strohhut ist ein klares Bekenntnis zur  Gruppe der Touristen.  Der Strohhut ist das Martinshorn der Reisenden. “Platz da! Aus dem Weg! Ich brauche Souvenirs!”

Weil kein Einheimischer in einer europäischen Innenstadt einen Strohhut tragen würde, kann man diese Art von Kopfbedeckungen auch nur dort kaufen, wo für gewöhnlich kein Einheimischer hingeht. Außer um Reisenden Originelles und Unnützes zu verkaufen. Dort, wo es auch Magneten für Kühlschränke, T-shirts, Taschen oder alle anderen erdenklichen Gegenstände mit dem Namen der jeweiligen Stadt oder den wichtigsten Sehenswürdigkeiten der jeweiligen Stadt darauf abgebildet gibt. Zu  fairen Preisen versteht sich. Diese Art von Orten, welche chinesische Importeure reich und die Altstädte europäischer Innenstädte seelenlos machen.

Nur an solchen Orten lassen sich solche Kopfbedeckungen kaufen. Was soll das nur immer mit diesen strohigen Kopfbedeckungen? Es gibt meiner Meinung nach nur 4 Situationen in denen ein Strohhut seine Berechtigung hat.

  1. Du bist ein mexikanischer Maisbauer auf einem Maisfeld.
  2. Du bist eine mexikanische Maisbäuerin auf einem Maisfeld.
  3. Du hast eine ärztlich bescheinigte Meise.
  4. Du bist eine Vogelscheuche auf einem mexikanischen Maisfeld.

Der Strohhut ist der “Kevin Bourani” unter den Kleidungsstücken. Dicht gefolgt von Trekkingschuhen von Salewa. “Die sind super für Städtereisen.” “Kann sein, ich finde das unpassend.” Oder Hosen, deren Länge man durch Reißverschlüsse so anpassen kann, dass man stets passend gekleidet ist. Ich habe ehrlich gesagt noch keine einzige Situation erlebt an in der eine derartige Hose ein “passendes” Kleidungsstück darstellte. Die einzige Ausnahme bildet dabei das Sommerlager der Pfadfinder. Dort sind die Protagonisten allerdings im Schnitt  nur 12 Jahre und  im Allgemein eher verwirrt.

Ach, was wäre wenn Kleidungsstücke nur noch zu den Anlässen getragen werden würden, für welche sie hergestellt wurden? Die Welt wäre nicht nur ein besserer Ort, sie wäre auch ein Ort an dem man besser gekleidet wäre.

Ein weiteres gutes Beispiel für zweckentfremdete Kleidung bietet die Jogginghose. Wer hat das letzte mal zum Joggen eine Jogginghose getragen? Oder anders gefragt: Wie oft gehen bekennende Träger von Jogginghosen tatsächlich joggen?

Ich spreche mich aus, gegen die Zweckentfremdung von Kleidungsstücken. Das ist mein erklärtes Ziel. Ich brauche feste Regeln um mich zurecht zu finden. Alles andere verwirrt mich nur. Anhand der Kleidung meiner Mitmenschen möchte ich einschätzen können wo ich mich gerade befinde. Bin ich gerade in einer Fussgängerzone, einem Basislager einer gefährlichen Expedition oder in einem Irrenhaus?

Niemand sollte mit einer Anglerweste in eine Innenstadt gehen, genauso wenig wie mit einem Trainingsanzug zum Edelitaliener. Auch dann nicht, wenn dieser Trainingsanzug von adidas ist.

Die Bekleidung von Krankenschwestern sollte nichts mehr mit schmuddeligen Sexfantasien zu tun haben, sondern verdient das hygienische und medizinisch saubere Image das ihr de facto zu stände.

Tennissocken  sollten ausschließlich auf Tennisplätzen, Unterhemden  UNTER HEMDEN und Strohhüte auf Maisfeldern getragen werden. Alles an seinem Platz, alles im Sinne des Erfinders genutzt,  so würde mir das gefallen.

Wo wir schon dabei sind. Auch die Plastik gewordenen Kriegsverbrechen namens Crocs sollten verschwinden, denn Crocs haben wirklich vieles, aber keinerlei Daseinsberechtigung.

Oh wie schön wäre diese Welt! Jedes Kleidungsstück zu seinem Zweck getragen. Doch was ist mit den Kleidungsstücken deren Zweck nicht so eindeutig ist? Was ist zum Beispiel der Zweck von karierten Hemden mit kurzen Ärmeln? Was ist mit ALLEN Hemden mit kurzen Ärmeln? Was ist mit Poloshirts? Warum zum solariumgebräunten BWLer gibt es Polohemden? Welchen ernstzunehmenden Zweck erfüllt Radbekleidung? Warum tragen Menschen Tarnkleidung wenn Frieden herrscht und kein Rotwild in Sicht?

Kann es sein, dass Kleidung nicht zwingend einen Zweck erfüllen muss?

So gesehen gibt es ja auch keine Kleidung nur für jeden Zweck. Welche Kleidung wäre denn dafür hergestellt zu tragen einen Text zu schreiben oder eine Lesebühne zu besuchen. Ich sollte anerkennen, dass Kleidung vor allem eins ist: Textile Hüllen für den sonst nackten Körper. Wenn ich so darüber nachdenke sollen die Leute doch anziehen was sie wollen. Sei es auf dem Tennisplatz, in der Wirtschaftsinformatik-Vorlesung oder auf dem mexikanischen Maisfeld. Hauptsache Sie laufen nicht nackt herum. Das wäre zwar manchmal interessant, in den meisten Fällen jedoch genauso unpassend.

 

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