Bruder Jakob!

Ich darf bekannt geben: In meinem Leben gibt es jetzt Jakob. Bruder Jakob.

Er ist nicht ganz neu in meinem Leben, aber irgendwie schon. Lies selbst.

Jakob ist mein Bruder. Er arbeitet als Werbetexter in Berlin. Er hat eine scheue kleine Hündin als Haustier und zahlreiche süße Tattoos auf seinen Armen verteilt. Ein fantastischer Typ. Kreativ, offenherzig, liebevoll und an der Fülle des Lebens interessiert. Eine echte Inspiration.

Doch in Kindertagen haben wir trotz dessen, dass wir Brüder sind, keine Wettbewerbe im Weitpinkeln miteinander gemacht. Das ist deshalb so, weil Jakob ein trans Mann ist und damit seit diesem Jahr offen umgeht.

Dass mein Bruder nach all den Jahren, in denen ich überzeugt war eine Schwester zu haben jetzt Jakob heißt musste ich erstmal verdauen. Auch wenn ich manchmal noch den alten und den neuen Namen durcheinanderbringe, ich gedanklich manchmal noch an eine Schwester denke statt an einen Bruder, dringt der Fakt, dass Jakob jetzt Jakob ist, immer weiter in mein Herz. Ich habe einen Bruder. Bruder Jakob. Und das ist gut so. 

Und Bruder Jakob gibt es noch einmal. Denn mein feines, altes, neues Abenteuer-Bike hat ein neues Gewand und in diesem Zuge auch einen neuen Namen bekommen. Um den Prozess der Umgewöhnung zu beschleunigen, habe ich mein Lieblingsfahrrad neu lackiert und einen neuen Namen gegeben. Statt in schlichten grau erstrahlt er nun in grün und gelb. Unter seinem glitzernden Finish zieren Tattoo-Motive seine Rohre. Passend dazu kleidet ihn selbstverständlich feinste Taschenware aus dem Hause Jobinski. Ohne die kommt mir kein Bruder auf die Straße. Fest steht: Ich widmete den neuen Look meinem Bruder. Meinem neuen, alten Bruder und seinem Mut.

Je mehr ich über die Analogie der neuen Jakobs nachdenke desto mehr gefällt mir das Bild, das sich dabei zeichnet: Ich fand Jakob zum Beispiel schon toll als er noch anders hieß. All die Erlebnisse, Abenteuer und magischen Momente schweißen zusammen. Es war schon immer Liebe. Das ändert auch ein neuer Name nicht. Um Jakob in meinem Leben zu haben, musste ich mich außerdem von nichts verabschieden. Jakob war schon immer da. Der Mensch ist derselbe geblieben. So wie der Rahmen meines Fahrrades auch. Mit dem Unterschied, dass er jetzt noch mehr aussieht, wie es seinem Wesen entspricht.



Das Outing von Jakob war harte Arbeit. Das ging nicht von heute auf morgen. Gedanklich und an der Spraydose wurde hier Schwerstarbeit geleistet. Lange wurde in alle möglichen Richtungen überlegt, Ideen ausformuliert und wieder verworfen. Irgendwann wurde das Hin- und Hergedenke abgeschlossen, die letzten Berührungsängste beiseitegelegt und Fakten geschaffen.

Jakob ist ab sofort fahrbereit. Ab und zu wird der Rahmen vielleicht noch angepasst, doch was lange währt wird letztendlich gut. Veränderung ist anstrengend, aber so wichtig und in dem Fall von Jakob so toll.

Ende August mache ich mich übrigens mit dem Fahrrad auf von München nach Ljubljana. Einen ausführlichen Bericht zur ersten großen Ausfahrt mit Bruder Jakob wird es selbstverständlich dazu geben.

Liebe Geht raus. Ich bewundere deinen Mut, Bruderherz und wünsche dir alles Gute! Ich supporte dich. Immer. Das ist das mindeste was ich tun kann. 

Hier noch Bilder von Jakob. Beiden.

3 Gedanken zu „Bruder Jakob!

  1. Ein Brudertext mit Ehrlichkeit aus deinem Herz. Danke .
    Was ist Familie? Sie ist das, was sie ist und was sie aushält.Ich bin stolz darauf,Teil von euch sein zu dürfen auch wenn mein eigenes Rad stützräder zu brauchen scheint. Liebe jeden von euch mam

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